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Wienhausen Thorsten Müller: Mehr Transparenz
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Thorsten Müller: Mehr Transparenz
07:40 15.05.2014
Thorsten Müller, Bürgermeisterkandidat der Grünen im Flotwedel, vor seinem Haus - in Flackenhorst. Quelle: Alex Sorokin
Flackenhorst

Sein ganzes Leben lang hat Thorsten Müller im Landkreis Celle gewohnt, seit 1999 ist er in Flackenhorst heimisch, seit der Kommunalwahl 2011 sitzt er für die Grünen im Samtgemeinderat Flotwedel, am 25. Mai möchte er Samtgemeindebürgermeister und Verwaltungschef im Wienhäuser Rathaus werden. Die Abläufe in Rats- und Sozialausschusssitzungen kennt er gut, denn als Fachbereichsleiter Soziale Dienste/Wohnkonzepte beim Landesverband der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) in Hannover tritt er oft in den Gremien auf, wenn Kommunen Kindertagesstätten oder Seniorenpflege planen.Aufgewachsen ist der heute 44-Jährige in Beedenbostel. Hier gewann er auch die ersten Einblicke in die Landwirtschaft. „Meine beiden Großväter waren Landwirte“, sagt Müller. In Lachendorf besuchte er die Grundschule und die Realschule, anschließend absolvierte er eine Lehre bei der AOK und wurde Sozialversicherungsangestellter. Der Zivildienst beim Malteser-Hilfsdienst schloss sich an.„Ich bin ein hängengebliebener Ex-Zivi“, sagt der Bürgermeisterkandidat. Denn seither arbeitet er bei Wohlfahrtsverbänden. Beim DRK etwa arbeitete er im Pflegedienst oder im Betreuten Wohnen. Mit 30 nahm Müller Erziehungsurlaub, damals war Tochter Lina ein Jahr alt. Er machte die Immaturenprüfung und studierte an der Ostfalia-Hochschule in Wolfsburg Management im Gesundheitswesen.Wenn Müller zur Arbeit nach Hannover pendelt, fährt er mit dem Fahrrad zum Celler Bahnhof und steigt dort in den Zug. Die 25 Kilometer mit dem Rad jeden Tag bezeichnet er als guten Ausgleich zum Job am Schreibtisch. Die Dienstreisen erledigt er ebenfalls mit der Bahn, zwei bis drei Tage in der Woche ist er unterwegs. „Das macht mir sehr viel Spaß“, sagt Müller, denn er sein kein Mensch, der nur im Büro sitze. Und er ist es gewohnt, nach 40 Wochenstunden nicht den Stift fallen zu lassen.Als Bürgermeister in Wienhausen würde Müller täglich zwei Stunden „gewinnen“, denn von Flackenhorst bis in den Klosterort sind es selbst mit dem Fahrrad nur ein paar Minuten. Mit seiner Frau hatte er 1999 ein Haus auf dem Lande gesucht und über Bekannte von dem Gebäude erfahren, das ganz versteckt auf dem Hofgelände steht. Sie schauten es sich von außen an und wurden sich mit dem Besitzer per Handschlag einig.Sie steckten viel Arbeit in das alte Gesindehaus, verputzten es innen mit Lehm, bauten neue Fußböden ein, eine Scheitholzheizung sorgt für Wärme, im Garten steht eine Solaranlage. 2005 kauften sie das Haus, 120 Quadratmeter stehen der vierköpfigen Familie zur Verfügung.Für Ökologie hatte Müller schon immer großes Interesse. Mit zwölf Jahren trat er in den Nabu ein, jahrelang war er in der Anti-Atomkraftbewegung aktiv. Heute wohnt er Tür an Tür mit Bauern. „Ich kenne die Landwirtschaft gut und habe viel Verständnis für Landwirte.“ 2011 war er Gründungsmitglied der Bürgerinitiative für einen respektvollen Umgang mit Nutztieren. Im gleichen Jahr klopften den Grünen wegen einer Kandidatur bei der Kommunalwahl an. Das tat er, ohne in die Partei einzutreten – und wurde in den Samtgemeinderat und in den Wienhäuser Rat gewählt.Wird er zum Bürgermeister gewählt, will Müller mehr Transparenz für Bürger und Ratsmitglieder schaffen. Bei seinen Infoständen vor Supermärkten hat der Kandidat, der von den Grünen nominiert wurde, in Gesprächen die Politikverdrossenheit auch auf lokaler Ebene gespürt und die Distanz bemerkt.Müller ist auch angetreten, weil eine Wahl mit nur einem Kandidaten seinem demokratischen Grundverständnis widersprochen hätte. Wenn er nach acht Wochen Politik im Wahlkampf acht Jahre Politik im Rathaus machen könnte, wäre ihm das recht. „Es wäre ein Entwicklungsschritt, eine neue Aufgabe.“ Tatsächlich ist er gespannt, welches Ergebnis er bei der Wahl holt. Vielleicht hat er nach dem Wahlkampf wieder ein bisschen mehr Zeit für seine Lieblingslektüre zur Entspannung: Romane mit politischem Hintergrund.

Von Joachim Gries