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Wienhausen Umwelt bremst Windkraft im Flotwedel
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Umwelt bremst Windkraft im Flotwedel
17:16 24.07.2014
Wienhausen

40 neue Windräder im Flotwedel – dafür wird es im Flotwedel keine geeigneten Flächen geben. Vielleicht werden zehn, zwölf neue Anlagen gebaut. Das zeichnet sich ab, seit vor einigen Tagen der Umweltbericht zur 17. Änderung des Flächennutzungsplans veröffentlicht wurde. Am kommenden Dienstag, 27. Juli, wird sich der Umwelt-, Bau- und Wegeausschuss der Samtgemeinde mit dem Thema Sondergebiete Windenergieanlagen beschäftigen. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr im Gasthaus Klosterwirt in Wienhausen.

Die Zahl von 40 neuen Windenergieanlagen war vor gut zwei Jahren bei einer Bürgerversammlung in Eicklingen aufgekommen, als vier Planer skizzierten, auf welchen Flächen im Flotwedel eine Windernte denkbar sei. Alle vier favorisierten Anlagen des Herstellers Enercon mit einer Gesamthöhe von 186 Metern.

Das Planungsbüro Keller aus Hannover hatte daraufhin das Samtgemeindegebiet unter die Lupe genommen und acht Bereiche, darunter einige aus mehreren Teilen bestehend, als mögliche Sondergebiete für Windenergie ausgeweisen. Mit dieser Grundlage hatte der Flotwedeler Samtgemeinderat Ende November 2012 den Aufstellungsbeschluss für die F-Planänderung gefasst. Ausdrücklich wurden alle ursprünglichen Fläche „im Topf“ gelassen, die Experten sollten die Eignung feststellen. Die Verwaltung informierte Behörden und sogenannte Träger öffentlicher Belange über die Pläne, aus der Bevölkerung gingen zahlreiche Stellungnahmen ein. Besonders in Bröckel wurde befürchtet, dass der Ort von Windkraftanlagen umzingelt wird, denn auch die Nachbarkommunen trieben Windenergieplanungen voran.

Die Samtgemeinde Flotwedel gab ein Umweltgutachten in Auftrag. Professor Dr. Thomas Kaiser aus Beedenbostel nahm neun Flächen unter die Lupe und widmete sich der Tier- und Pflanzenwelt. Seine Ergebnisse dürften für die Investoren ernüchternd sein, bei sechs Gebieten kommt er zu dem Schluss, „dass aufgrund nicht überwindbarer artenschutzrechtlicher Konflikte die Errichtung von Windkraftanlagen nicht zulässig sein wird“, bei zwei weiteren Gebieten Windkraftanlagen lediglich auf Teilflächen zulässig sein werden und nur in einem Gebiet nicht mit einer Genehmigungshürde zu rechnen sein wird.

Möglich ist aus Sicht des Gutachter die Windkraftnutzung nordöstlich von Wienhausen, südwestlich von Bröckel und nördlich von Wiedenrode. Als Alternativen sieht Kaiser nur den generellen Verzicht auf Planung, denn auf der Grundlage der von Planer Keller zusammengetragenen Daten sind nach seiner Auffassung keine weiteren Flächen für die Windkraftnutzung vorhanden.

Samtgemeindebürgermeister Helfried H. Pohndorf zeigte sich vom dem Ergebnis überrascht und sagte: „Wenn zehn Anlagen übrig bleiben, ist das viel.“ Der Umweltbericht habe zudem ergeben, dass die bereits bestehenden Anlagen heute nicht mehr genehmigungsfähig wären. Er gehe davon aus, dass sie Bestandschutz haben, aber mit einem Repowering, bei dem die alten Anlagen durch leistungsstärkere ersetzt werden, werde es schwierig.

Mit den Unterlagen sollen sich jetzt die politischen Gremien, aber auch die Bürger befassen. „Jeder hat die ganzen Sommerferien Zeit, sich damit zu beschäftigen. Die Bürgerbeteiligung ist noch nicht aus dem Rennen“, sagt der Verwaltungschef. Ob sich die Kommune selber finanziell an einer Windkraftanlage beteiligt, sei völlig offen. Auch wenn noch nichts entschieden ist, steht für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Rolf Meyer schon jetzt fest. „Eins wird es mit uns nicht geben: Profite für wenige Anlagenbesitzer, Belastungen für alle Einwohner.“

Von Joachim Gries