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Wienhausen Volkmar Staub überzeugt in Bockelskamp
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Volkmar Staub überzeugt in Bockelskamp
17:58 05.03.2015
Bockelskamp

Da war er wieder: Volkmar Staub war am Samstag im Kaleidoskop auf dem Findelhof und hatte die Schnauze gestrichen voll in seinem Programm „Ein Mund voll Staub ... für eine Handvoll Euro“. Schon der Titel verrät viel über den Mann, den die Geschichte als einen zur 50er-Generation gehörenden Fan von Karl May, Karl Marx, Cola und Rockmusik angemessen zu würdigen vergessen hat. So kommt eins zum anderen und Staub spuckt aus, was ihm auf der Zunge liegt. Dafür ist der Südbadener bekannt, für seine harten Geschosse, die wie die Pfeile Winnetous vorbeiziehen.

Gut, manche Pointen hinken der Zeit etwas hinterher, so wenn beim Thema Steuerhinterzieher lauter Wortspiele so richtig in Fahrt kommen. Trotzdem lässt es sich der aus Lörrach an der Schweizer Grenze stammende Kabarettist nicht nehmen, in Sachen Schwarzgeld, Leyen-Truppe und Leyen-Club oder Putin-Disput mächtig vom Leder zu ziehen.

Mit rockig anmutenden Gitarren-Gesangs-Einlagen lockert er die Runde auf, um dann sogleich wieder den Nahost-Konflikt ins Gebiet von Niederlausitz bis Oderbruch zu verlegen. Da schäumte manches Mal schon die Stammtisch-Blume. Manch Recherche scheiterte da an der Tiefe. Die bildschöne Ribanna in Winnetou II, in die Staub verliebt war, wurde eben nicht gespielt von Daliah Lavi. Nein, es war Karin Dor. Aber gut, wo gehobelt wird, da fallen Späne, manchmal auch vom falschen Holz.

Das Publikum auf seiner Seite hatte Staub bei seinen Erinnerungen: an Bands, Demos und Parolen, die Beatles, die Stones, Dylan und die sexuelle Revolution. Von da bis zum Kampf gegen Pegida war es dann wieder nicht so weit, von den Indios zum Turbo-Kapitalismus, von der Armutsschere zu den Shareholdern, vom Papst, dem „Handlanger Gottes“, zur Käsetheke: „Der Limburger stinkt immer am schlimmsten“. Die Thesen sausten wie Tomahawks an den Köpfen vorbei.

Trefflich besang Staub die anzüglichen Gebaren beim Charaktermaskenball. Nach Klassenkampf, Esoterik-Boom und Rundum-Sorglos-Super-Know-how-Paket-Blues kam das Highlight: die Zugabe. Mit freiem Oberkörper und Feder im Haar gab Staub den Winnetou und warnte seine roten Brüder der SPD vor dem Bodengewinn der „Schwarzfüße“. Weise aber musste der Häuptling sich eingestehen: „Die Zeit hat uns mehr verändert als wir unsere Zeit.“

Von Aneka Schult