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Wienhausen Vom Bunker ins Kloster
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Vom Bunker ins Kloster
17:24 28.02.2010
KONZERT: Michael Petermann im Kloster Wienhausen Quelle: Torsten Volkmer
Wienhausen

„In Sachen Bach ./. Händel ./. Telemann“ – so leicht verkopft und wenig aussagekräftig, dafür umso rätselhafter ist ein Konzertprojekt überschrieben, das die Hamburger Musiker Michael Petermann und Martin Gonschorek entwickelt haben. Unter dem Obertitel „Bunkerrauschen“ finden allmonatlich im Hamburger Medienbunker diese inzwischen zum Geheimtipp gewordenen originellen Konzerte statt. Der Kulturkreis Wienhausen hat nun eines dieser Konzerte vom Bunker ins Kloster geholt: Ein Glücksgriff, nicht nur weil gut musiziert wurde, sondern auch, weil die Darbietungsform gelungen war.

Man spielte zunächst eine Sonate von Georg Philipp Telemann. Ein Stück Hintergrundmusik zum Essen oder Plauschen, handwerklich gut gearbeitet, sogar mit ein paar schönen melodiösen Einfällen, aber eher Klangkulisse als Kunstwerk. Cembalist Petermann erläuterte im Nachgang dann, wie er das Stück einschätzt und erklärte einleuchtend, wie zweitrangig der Originalitätsgedanke in der Entstehungszeit war.

Danach erklangen zwei Flötensonaten von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Das Besondere der Präsentationsform war dabei, dass die Sätze der beiden Stücke durcheinandergewürfelt wurden und man so nicht wusste, ob man gerade Bach oder Händel zuhörte. Raffiniert war das nicht nur, weil nun das ganze Publikum versuchte, herauszufinden, welcher Satz von welchem Komponisten war, sondern noch mehr, weil sich dadurch die Hörhaltung jedes Einzelnen veränderte. Da hörte spürbar fast jeder genauer zu als sonst, was aber trotzdem beim einmaligen Hören nur bedingt dazu führen konnte, dass man hätte feststellen können, welches Stück von wem war. Nach der Pause wurde dann sehr kenntnisreich und unterhaltsam von Petermann erläutert, worin die komponistenspezifischen Charakteristika jedes Satzes lagen und warum man sie daran eventuell hätte erkennen können. Erwähnt werden muss allerdings, dass Bachs Sonaten im Rahmen seines Gesamtschaffens eher unbedeutend sind. Musikalische Leichtgewichte sind sie deshalb aber nicht, was sich insbesondere in der Schwierigkeit des Flötenparts zeigt. Den virtuos auftretenden Gonschorek konnte das nicht belasten. Er spielte auf einer modernen Flöte fast gänzlich ohne Anblasgeräusche, dabei sehr gestaltungsstark. Petermann am sehr klangschönen Cembalo konnte da manchmal schon wegen der gegebenen Grenzen des Instruments nur bedingt mithalten. Insgesamt aber war das ein sehr erhellender, erlebnisreicher und auf große allgemeine Zustimmung gestoßener Abend gewesen. Ein Wiedersehen in Wienhausen dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein.

Von Reinald Hanke