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Wienhausen Wienhäuser Liederbuch versus Musik der Habsburger
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13:04 20.06.2017
„capella vitalis berlin“ spielten am Sonnabend (17.06.2017) im Kloster Wienhausen. Quelle: Michael Schäfer
Wienhausen

WienhAUSEN. Hake gab einen Teil dieser Gesänge dabei auch dieses Mal in ihrer Urform wieder; also als einstimmigen Gesang, den sie selbst vortrug. Das war dann mittelalterliche Wienhäuser Musik pur, wobei bemerkenswert aber keineswegs unüblich ist, dass diese Musik nur teilweise mit Melodien überliefert ist.

Viele Lieder dieser Sammlung bestehen nur aus dem überlieferten Text; zu dem eine bekannte Melodie gesungen wurde. Herauszubekommen welche zeitgenössische Melodie zu welchem Text passt, das ist bei der Beschäftigung mit dieser Musik immer ein wesentlicher Teil der Realisierung. Es muss Hake wohl über die Zeit viel gegeben haben, mit dieser Handschrift arbeiten zu können, denn einmal mehr strahlte ihr Gesicht im Konzert bei aller Konzentration, als ob gerade ein Festtag für sie sei. Vielleicht war es das auch wirklich, denn nach drei mal sieben Jahren das Amt als Klostersängerin abzugeben, das ist sicher etwas Besonderes. Zudem es ihr gelang ein besonders gelungenes Konzert zum Abschied zu organisieren und auch ihre Nachfolge in der Person von Katharina Bäuml wahrscheinlich in besten Händen liegen zu sehen.

Hake hatte dieses Mal das Spezialistenensemble Capella Vitalis aus Berlin eingeladen. Diese kontrastierten die klangschön und in sich ruhend vorgetragenen Wienhäuser Gesänge durch frühbarocke Töne vom habsburgischen Hof in Wien. So kamen zusätzlich zum eher zurückhaltenden Tonfall der Wienhäuser Musik geradezu sinnliche musikalische Momente in diesem Konzert zum Tragen. Das ergänzte sich ideal. Die beiden Stücke unter Mitwirkung von Hake gerieten dabei besonders gut und man staunte ob der Wandlungsfähigkeit Hakes, die sie nur selten gezeigt hat in früheren Konzerten.

Und zum Schluss gab es dann ein geradezu verrücktes Stück von Johann Heinrich Schmelzer, in dem dieser mit einem traditionellen Instrumentarium seiner Zeit, zwei Violinen und Basso Continuo, den Klang eines Dudelsacks nachzuahmen versucht. Und wider Erwarten geht das sogar. Ein starker Eindruck. Ein rundum gelungener Abschluss von 21 Jahren als Klostersängerin für Nicoline Hake.

Von Reinald Hanke