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Wienhausen "Willkommen" gehört in die Dörfer des Flotwedel
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen "Willkommen" gehört in die Dörfer des Flotwedel
19:59 25.03.2015
Wienhausen

61 Asylbewerber und Flüchtlinge leben zurzeit in der Samtgemeinde Flotwedel, 55 sollen der Kommune in diesem Jahr zugewiesen werden, so lauten die aktuellen Zahlen. Wie werden diese Menschen aufgenommen, wie werden „ganz normale“ Zuzügler begrüßt? Darum ging es am Dienstag in der Sitzung des Flotwedeler Sozialausschusses.

Anlass der Sitzung war ein gemeinsamer Antrag von Bündnis 90/Die Grünen und LUB vom Mai 2014, in dem sie die Schaffung einer Willkommenskultur in der Samtgemeinde forderten. Bereits im Januar 2014 hatte sich der Sozialausschuss mit der Integration von Asylbewerbern befasst. Damals hatte sich herausgestellt, dass sich neben dem Sozialamt engagierte Mitbürger um die Neuankömmlinge kümmern. Der Antrag sah jetzt vor, dass jeder Neubürger ein Willkommensschreiben möglichst in seiner Muttersprache erhält, in Anschreiben auf die wichtigsten sozialen Angebote hingewiesen wird und die Internetseite der Samtgemeinde um eine entsprechende Willkommensseite mit relevanten Informationen in den wichtigsten Fremdsprachen ergänzt wird. Zudem forderten Grüne und LUB die Schaffung eines Pools von Ehrenamtlichen für Willkommensbesuche, einen Willkommensbesuch der Verwaltung bei allen Neubürgern sowie eine jährliche Willkommensveranstaltung für alle Neubürger.

Heute ist die Situation eine andere als im Januar 2014. Seit Anfang des Jahres kümmert sich das Familienbüro Kess um Flüchtlinge und Asylbewerber. Die Kommune hat dazu einen Vertrag mit dem Kess geschlossen. „Wir verstehen uns als verlängerter Arm des Sozialamtes“, sagte Simone Welzien vom Kess, die mit ihrer Kollegin Simone Thöling erläuterte, wie sie die Flüchtlinge in ihrer neuen Umgebung begleiten. Kess geht dabei nach festen Strukturen vor und schaut nach den Bedürfnissen der Flüchtlinge. Sind Anmeldungen in Kindergarten oder Schule notwendig oder Arztbesuche? Sogenannte Botschafter, ehrenamtliche Kümmerer, die der Schweigepflicht unterliegen, stehen den Flüchtlingen als Ansprechpartner zur Seite. Als Beispiel nannte Welzien eine Fahrt mit Neuankömmlingen durch die Kommune, um ihnen die wichtigsten Einrichtungen zu zeigen. Da sie nur Arabisch sprachen, übersetzte ein Dolmetscher per Handy die Erläuterungen.

Kess ist dabei, für Flüchtlinge Mappen mit wichtigen Informationen zu erstellen. So sollen sie ohne Deutschkenntnisse in der Lage sein, mit Notfallkarten im Ernstfall um Hilfe zu bitten. Auch wurde ein Flyer mit Piktogrammen entwickelt, wie Mülltrennung funktioniert und wann Tonnen oder Säcke abgefahren werden.

„Wir sind auf einem guten Weg“, stellte Ausschussvorsitzender Karl-Heinz Pickel (CDU) mit Blick auf die von Kess vorgestellten Ergebnisse fest. Er stehe voll hinter dem Antrag, sagte Klaus-Jürgen Schaper (SPD), allerdings sah er noch viel Nachholbedarf. Das ehrenamtliche Engagement konzentriere sich auf wenige. „Sie werden Bürger einer Gemeinde, nicht der Samtgemeinde“, sagte Bröckels Bürgermeister Heinrich Behrens. Deshalb müsse sich die Willkommenskultur wie Besuche oder Feste auch dort abspielen.

Empfohlen wurde vom Ausschuss, dass sich die Samtgemeinde um ihre Aufgaben wie Homepage oder Willkommensschreiben kümmert. Die Diskussion soll jetzt auch in den Gemeinden stattfinden.

Von Joachim Gries