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Wienhausen Windkraft: Jetzt Experten im Flotwedel amZug
Celler Land Samtgemeinde Flotwedel Wienhausen Windkraft: Jetzt Experten im Flotwedel amZug
17:29 31.07.2014
Wienhausen

Die Gutachten weiterer Experten sind gefragt, bevor die Politiker in der Samtgemeinde Flotwedel die Weichen für eine Flächennutzungsplan-Änderung stellen, mit der Vorrangflächen für Windkraft ausgewiesen werden sollen. Eine Empfehlung stellte der Umwelt-, Bau- und Wegeausschuss der Samtgemeinde vorerst zurück, denn es gibt noch viele offene Fragen. Die Sommerpause soll von Politikern wie Bürgern genutzt werden, die vorliegenden Unterlagen wie den umfangreichen Umweltbericht zu prüfen.

Der von Professor Thomas Kaiser aus Beedenbostel erarbeitete Bericht stieß auf Widerspruch. Und zwar von Windenergiekritikern wie von potenziellen Investoren. Planer Michael Keller aus Hannover hatte anhand einer Karte erläutert, dass von ursprünglich neun Flächen als Folge des Umweltberichts nur noch drei übrig bleiben, und die auch nur als Teilflächen. Es stünden etwa noch zwölf Hektar für den Bau von Windkraftanlagen zur Verfügung. „Das ist nicht so wahnsinnig viel. Und ob das ausreichend ist, kann ich Ihnen nicht sagen“, meinte Keller.

Er hatte zuvor ausgeführt, dass der Gesetzgeber Windkraft grundsätzlich für zulässig halte. Die völlige Ablehnung von Windkraft-Flächen könne deshalb nicht Gegenstand der F-Plan-Änderung sein. Vielmehr müsse „substanzieller Raum“ ausgewiesen werden. Komme eine F-Plan-Änderung nicht zustande, werden also von der Kommune keine Konzentrationsflächen für Windkraft ausgewiesen, sei das komplette Samtgemeindegebiet für Windenergie freigegeben. Bei einem Bauantrag werde dann jeder Bereich gesondert unter die Lupe genommen werden.

Nachdem der Ausschuss die Öffentlichkeit hergestellt hatte, erhielten auch die etwa 50 Zuhörer Gelegenheit, Fragen zu stellen. Dagmar Mania-Machwitz aus Bröckel warf Kaiser vor, er habe in seinem Bericht Flächen als geeignet für Windenergie dargestellt, obwohl er sie selbst nach mehreren Kriterien als unzulässig eingestuft habe. Auch habe Kaiser Vorranggebiete für Natur- und Landschaftsschutz sowie Naherholungsgebiete aus dem gültigen Raumordnungsprogramm missachtet. Kaiser selber war nicht anwesend, Keller machte aber deutlich, dass in der anstehenden Beteiligung der Öffentlichkeit über genau diese Punkte zu diskutieren sein werde.

Daniel Kurreck vom Bremer Windkraft-Projektierer WPD sowie Klaus von Jeinsen von der Firma VJ Windprojekt erklärten, sie hätten selber Gutachten für die sie interessierenden Flächen in Auftrag gegeben, die zu anderen Ergebnissen gekommen seien als das von Kaiser. Er wundere sich deshalb, dass dem Umweltbericht von Kaiser so große Bedeutung beigemessen werde, sagte Jeinsen und plädierte dafür, alle Gebiete noch einmal sehr sorgfältig zu untersuchen.

Nach dem Vorschlag von Hans-Jürgen Erdt vom Bauamt im Wienhäuser Rathaus, dass sich die Fachleute über die Gutachten austauschen sollten, sprach sich Hermann Rodenberg (CDU) dafür aus, dass der Ausschuss zum jetzigen Zeitpunkt keine Empfehlung aussprechen solle. „Ich möchte auch die anderen Gutachten zu Gesicht bekommen“, sagte der Eicklinger Bürgermeister. Seinem Vorschlag schloss sich der Rat einstimmig an.

Von Joachim Gries