Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Ahnsbeck Ahnsbecker Glocke wird 575 Jahre alt
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Ahnsbeck Ahnsbecker Glocke wird 575 Jahre alt
17:01 02.07.2014
Das genaue Alter der Kapelle in Ahnsbeck ist nicht bekannt.  Quelle: Joachim Gries
Ahnsbeck

Der Zeitpunkt der Erbauung der Kapelle in Ahnsbeck ist nicht genau bekannt, es kann nur vermutet werden wie sie entstanden ist. Aus der Havemannschen Handschriftensammlung des Herzogs Ernst August von Cumberland (1928) stammt folgende Notiz: Die von Oesingen hatten früher Güter und den Zehnten (1252) Lüsge (Lüsche), in Lütgen Helen, in Riderla (Räderloh) und Harmshorst (Hohnhorst). Dieser Zehnte fiel später an die Herren Henricus und Hanno IV von Heimburg in Ahnsbeck.

Die Familie von Heimburg stammt von der Burg gleichen Namens bei Blankenburg im Harz. Nach langjähriger Fehde wegen eines Mordes wurde die Familie durch den Grafen Albrecht von Regenstein 1250 von ihrer Stammburg vertrieben. Die von Heimburgs fanden Asyl beim Herzog von Braunschweig und Lüneburg und nahmen ihren Wohnsitz auf dem herzoglichen Meyerhof in Ahnsbeck. Anno von Heimburg war 1270 Vogt zu Celle. Henricus de Oesinghe verstarb ohne männlichen Erben. Seine Tochter heiratetet Anno von Heimburg aus Ahnsbeck.

Die von Heimburgs waren auf ihrer Burg sicher Besitzer einer Hauskapelle, waren also kirchliche Eigenständigkeit gewohnt. Aus diesem Grunde ist anzunehmen, dass diese Familie die Kapelle in Ahnsbeck unmittelbar neben ihrem Wohnhaus auf dem herzoglichen Meyerhof um das Jahr 1260 erbaut hat.

Im Hausbuch der Amtsvogtei Beedenbostel von 1663 ist in der Ortsbeschreibung vermerkt: „Sonsten steht auch bey diesem Dorff Ahnßbeck eine Capelle, in welcher alle Sonntag zu Nachmittage der Schuelmeister prediget und alle vier Wochen von dem Pastorn zu Beidenbostel die Cathachismus Lehre mit der Jugend gehalten wirdt, undt wie manß dafür helt soll selbige Capelle von einer Gräfinnen von Naßau gestiftet sein.“ Damals war also nicht mehr bekannt, wer die Kapelle in Ahnsbeck gebaut hat. Anna von Nassau, Ehefrau von Herzog Otto II von Braunschweig und Lüneburg, gestorben 1513, jedenfalls war es nicht. Sie könnte allerdings Stifterin des Altars und der Heiligenfiguren gewesen sein.

Die Glocke im Turm wurde im Jahre 1439 gegossen. Sie trägt die Inschrift: ANNO Domini M*CCCC*XXXIX*Ave Maria.

Die Heiligenfiguren in der Kapelle sind nach der Reformation entfernt worden und wurden auf dem Dachboden der Kapelle verstaut. Sie wurden erst 1928 wiedergefunden und in die Kapelle zurückgestellt. Es handelt sich bei den Figuren um den Heiligen Antonius, die Heilige Anna und die Heilige Barbara – die alten Dorfheiligen der Bauern.

Die 575 Jahre alte Kapellenglocke hat viele Epochen überdauert. Ihr Klang war zu hören, schon bevor Martin Luther geboren ist. Sie hat unzählige Kriegszüge erlebt, die durch das Land zogen. Sie hing hier schon im Turm, als Kolumbus Amerika wiederentdeckte und sie hing hier friedlich, als die spanische Armada vor England versank. Sie erlebte die unselige Zeit der Hexenverfolgung, die auch in Ahnsbeck wütete. Sie läutete wahrscheinlich Sturm im 30-jährigen Krieg und bei manch einer Feuersbrunst.

Sie ruft seit 575 Jahren die Glieder der Kapellengemeinde zum Gottesdienst und sie war bis Helmerkamp zu hören, als noch keine Motoren mit ihrem Lärm laut machten. Sie begleitet die Menschen bei glücklichen Anlässen wie Hochzeiten und Taufen. Auch auf dem letzten Weg zum Friedhof läutet sie. Sie ließ ihren Klang auch in schweren Zeiten ideologischer Verblendung hören und rief danach verirrte Gemeindeglieder zurück in die Gemeinschaft. Die Gemeinde ist stolz darauf, mit ihr eine der ältesten Glocken in der Landeskirche zu besitzen.

Von Klaus-Dieter Hanke