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Beedenbostel Beedenbosteler Windräder ziehen nach Spanien um
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Beedenbostel Beedenbosteler Windräder ziehen nach Spanien um
08:04 07.10.2016
Beedenbostel

Die Rotoren von vier Anlagen drehen sich noch in der Herbstsonne, die fünfte steht still, ist vom Stromnetz abgeklemmt und wird von Monteuren auf den Abbau vorbereitet. Mit dem anlageneigenen Fahrstuhl sind sie am Gittermast in die Höhe gefahren und arbeiten unterhalb des Maschinenhauses. Von unten sind sie kaum zu erkennen.

Seit Dienstagmorgen wurde daneben der weltgrößte Teleskopkran der kvn Autokrane GmbH aus Osnabrück aufgebaut, der die Anlagen jetzt demontieren soll. Auf dem Neunachser wurde der Teleskopauslager mit zusätzlicher Gitterspitze installiert und die Gegengewichte mit 182 Tonnen Last aufgeladen. Über 130 Meter ragt die Kranspitze in die Höhe, den Celler Kirchturm mit 74 Metern lässt sie locker unter sich.

Am Donnerstagvormittag um 9.30 Uhr hob der Kran in einem Arbeitskorb zwei Monteure der polnischen Firma in die Höhe, die den Abbau durchführt. Ihre Aufgabe: an zwei Flügeln Hilfsseile befestigen, mit denen beim Absenken der Rotor stabilisiert werden sollte. Den dreiflügligen Rotor mit 66 Metern Durchmesser sollte der Kran anschließend an den Haken nehmen. Nachdem er in 117 Metern Höhe von der Nabe gelöst war, sollte er abgesenkt und auf der Wiese zerlegt werden. Drei Spezialtransporter standen zum Abtransport der Flügel bereit. Dann sollen das 55 Tonnen schwere Maschinenhaus folgen, danach der Gittermast. Die Anlagen hat ein spanisches Unternehmen gekauft, bei Albacete, rund 200 Kilometer südöstlich von Madrid, sollen sie wieder aufgebaut werden und dann die iberische Halbinsel mit Strom versorgen.

Die Vestas-Anlagen, die jetzt verschwinden, haben eine Gesamthöhe von 150 Metern, sie erzeugten bei einer Nennleistung von 1,65 Megawatt durchschnittlich 12 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Ersetzt werden sie durch Anlagen vom Typ Siemens SW-3-0-113 mit Stahlrohrturm und 115 Metern Nabenhöhe, 113 Metern Rotordurchmesser und einer Gesamthöhe von 171 Metern. Sie haben eine Nennleistung von drei Megawatt und sollen jedes Jahr 34 Millionen Kilowattstunden erzeugen.

Vier bis fünf Wochen soll der Abbau der fünf Anlagen dauern – wenn der Wind mitspielt. Pustet er zu heftig, kann der Kran nicht arbeiten. Mit dem Bau der Fundamente für die neuen Anlagen soll noch in diesem Jahr begonnen werden, der neue Windpark soll im Mai 2017 in Betrieb gehen. Das Repowering-Projekt wird von der dean-Gruppe aus Neustadt am Rübenberge realisiert. Sie betreibt weitere Windparks und setzt erstmals Siemens-Anlagen ein. „Wir denken, dass wir eine sehr gute Wahl getroffen haben – ein Hochtechnologieprodukt, das hinsichtlich Leistung und Effizienz überzeugen wird“, sagt Geschäftsführer Alexander Jäger-Bloh. Er hatte das Repowering-Projekt 2015 mit 25 Millionen Euro beziffert.

Von Joachim Gries