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Beedenbostel Bei Inkasso erst genau hinschauen
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16:22 13.12.2011
Beedenbostel

BEEDENBOSTEL „Ich habe bei einem anderen Telefonanbieter einen Vertrag mit Flatrate, da brauche ich nicht noch die mobilcom“, sagt Renate Milosic. Vergangene Woche erhielt sie einen Brief der Anwaltskanzlei Hörnlein & Frey aus Coburg. „Inkasso“ stand gleich oben auf dem Schreiben. Im Auftrag der mobilcom-debitel in Büdelsdorf wollte die Kanzlei bei Milosic 333,32 Euro eintreiben. Doch die beteuert, aktuell keinerlei Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen zu haben. „In grauer Vorzeit“, so erinnert sich die Beedenbostelerin, habe sie mal mit der Firma zu tun gehabt.

Seither hat sie von mobilcom-debitel auch nie etwas gehört, keine Rechnungen, keine Mahnungen. Weil sie ja auch nicht mehr Kunde bei den Büdelsdorfern war. Jetzt sollen aber plötzlich 207,71 Euro aufgelaufen sein aus Rechnungen, die zwischen dem 17. Dezember 2010 un dem 24. Juni 2011 anfielen. Vermehrt um Kosten für einen Vergleich in Höhe von 81 Euro, dazu Zinsen und Geschäftsgebühr, kommen die 333,32 Euro zustande. Das entnahm Milosic den zweiten Blatt des Schreibens, das mit „Teilzahlungsangebot / Schuldanerkenntnis“ betitelt ist.

Günter Busche, Direktor des Amtsgerichts Celle, stellt klar, dass die Anwaltskanzlei nicht darlegen muss, wofür sie genau das Geld eintreibt. Erst in einem Prozess komme zur Sprache, wie sich die Forderung genau zusammensetzt. Der Richter weist darauf hin, dass Verzugszinsen erst gezahlt werden müssen, wenn vorher gemahnt worden ist.

Zudem reicht die im Brief gewählte Formulierung „In vorbezeichneter Angelegenheit zeigen wir die anwaltliche Vertretung der o.g. Mandantschaft an. Ordnungsgemäße Bevollmächtigung wird versichert“ nicht aus. In Paragraf 174 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist geregelt, dass ein einseitiges Rechtsgeschäft unwirksam ist, wenn der Bevollmächtigte eine Vollmachtsurkunde nicht vorlegt und der andere das Rechtsgeschäft aus diesem Grund unverzüglich zurückweist.

Mit einem kurzen Schreiben könnte Milosic dies tun. Dazu rät das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland - Kiel auf seiner Homepage. Die Verbraucherschützer wundern sich, dass die, die von sich selbst behaupten, das Recht auf ihrer Seite zu haben, und Verbraucher unter Druck setzen, nicht die Regel des Paragrafen 174 befolgen. „Erstaunlich ist allerdings auch, wie häufig sich die Angelegenheit durch die Frage nach der Vollmacht erledigt, weil es den Schuldeneintreibern zu mühsam wird und sie wohl eher auf das schnelle Geld aus sind“, heißt es dort.

Eine Anfrage der CZ bei der mobilcom-debitel blieb bis gestern unbeantwortet.

Von Joachim Gries