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Beedenbostel Ein Pferd ohne Flugangst: Stute reist nach Amerika
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Beedenbostel Ein Pferd ohne Flugangst: Stute reist nach Amerika
18:28 29.11.2010
Über den Atlantik und zurück: Heute ist Stute Samira in einem Offenstall in Beedenbostel zu Hause, Andrea Ketelsen besucht sie dort regelmäßig. Quelle: Anne Friesenborg
Beedenbostel

Petra Ketelsen war schon immer von Pferden sehr begeistert gewesen. Genau wie ihre Tochter Andrea, die schon im Alter von sechs Jahren Reitunterricht nahm. Als sich die Familie aus Alters- und Gesundheitsgründen 2004 von ihrem ersten Pferd trennte, beschloss Petra, ihrer Tochter ein neues Pferd zu kaufen. Mit Samira, einer fünfjährigen, dunkelbraunen Hannoveraner Stute war es „Liebe auf den ersten Blick“.

Andrea nahm mit Samira Reitunterricht in Eicklingen und nur ein knappes Jahr später waren die beiden bereits gut aufeinander eingestellt. Sie nahmen an Reitturnieren teil und hatten die ersten gemeinsamen Erfolge. Aus beruflichen Gründen zogen die Ketelsens im Frühjahr 2005 für zwei Jahre in die USA nach South Carolina um. Neben den beiden Katzen musste auch Stute Samira mit. Freunde und Familie hielten das für völlig verrückt, weil der Transport der Stute äußerst teuer werden würde. Doch die Ketelsens ließen sich davon nicht beirren: Samira flog schließlich über Amsterdam nach New York.

In Maryland musste die Stute für zwei Wochen in Quarantäne, bevor die Familie sie in South Carolina in Empfang nehmen durfte. Samira hatte den Flug prima überstanden und Besitzerin Andrea war überglücklich. Samira bekam einen Stall und überzeugte die amerikanischen Reiter schnell als deutsches Dressurpferd. Einige Dinge liefen jedoch anders als in deutschen Ställen. Besonders interessant fand es die Familie, wie Turnier- und Freizeitreiter neben Cowboys und deutschen Reitern gut nebeneinander lebten und die Zeit mit den Tieren genossen.

Im Frühjahr 2006 fing Samira an, zu lahmen, was durch ein Loch in ihrer Schultersehne hervorgerufen wurde. Doch es blieb unklar, woher die plötzliche Verletzung des Tieres kam. Ein dreiviertel Jahr Pause wurde verordnet, damit sich die Stute auskurieren konnte. Während dieser erzwungenen Ruhephase ritt Andrea Ketelsen andere, typisch amerikanische Pferde und stellte sie auf Wunsch der Eigentümer bei Turnieren vor.

Nach ihrer Genesung nahmen Samira und Andrea wieder an Dressur- und Springturnieren und einmal an einem Cross-Country-Turnier teil. Die Zuschauer waren von der deutschen Stute ziemlich begeistert – eine der Turnierrichterinnen sogar so sehr, dass sie Samira kaufen wollte. Sie machte der Familie ein wirklich gutes Angebot. Gerade zu dem Zeitpunkt waren diese dabei, die Koffer zu packen und wieder nach Deutschland zurück zu gehen. Sie überlegten, das Pferd in den Staaten zu lassen, doch für Tochter Andrea kam das absolut nicht in Frage. Sie kratzte all ihre Ersparnisse zusammen, um Samiras Transport mitfinanzieren zu können.

Kurz vor dem Abflug wurde Andrea dann von einer Stallbesitzerin zu einem Trailride eingeladen, wo sie und eine Gruppe von anderen Reitern mit ihren Pferden einen Nationalpark besuchten. Ein tolles und einzigartiges Erlebnis für Andrea und Stute Samira. Heute steht Samira in einem schönen Offenstall in Beedenbostel und Andrea Ketelsen reitet freizeitmäßig. „Die beiden haben viel miteinander erlebt. Aber so viele Pferde Andrea auch schon geritten hat: Ihre Stute Samira wird immer etwas Besonderes für sie sein“, sagt Mutter Petra voller Stolz.

Von Mariella Szymczack