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Beedenbostel Ein Stück Mongolei in Beedenbostel
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Beedenbostel Ein Stück Mongolei in Beedenbostel
17:47 09.01.2014
Sechs Meter misst die mongolische Jurte von Anne Zimmermann im Durchmesser, die Bauingenieurin ist mit dem Platzangebot zufrieden.  Quelle: Joachim Gries
Beedenbostel

Nein, in der Mongolei war Anne Zimmermann noch nie. Aber irgendwie fühlt sie, dass es sie dort hinzieht. Die Stille, von der ihr in dem Land im fernen Asien berichtet wird, die reize sie. Ein Stück Mongolei hat die 32-Jährige schon um sich: Sie besitzt eine Jurte, in der sie zeitweise lebt.

Vor etwa drei Jahren zog es die Bauingenieurin aus beruflichen Gründen nach Beedenbostel. Sie stammt aus Suhl in Thüringen. Im vergangenen Jahr wollte die 32-Jährige mal ein besonderes Wohnen ausprobieren. Nicht zur Miete, nichts Festes. Sie wollte es selbst bauen und die Natur um sich haben. Sie recherchierte im Internet und stieß auf eine gebrauchte Jurte aus Holz und Filz und Baumwollstoff. Mit einem Lieferwagen fuhr sie im März nach Bayern und holte die Einzelteile der mobilen Behausung nach Beedenbostel.

Aufgebaut wurde die Jurte dann Stück für Stück auf einem erschlossenen Grundstück am Ortsrand. Weitgehend allein von Zimmermann. Im Juni war sie fertig – im Ort erregte der ungewöhnliche Bau kaum Aufsehen. Die Nachbarn zeigten sich aufgeschlossen und halfen. Zimmermann zog ein und stellte fest, dass für eine Person allein ausreichend Platz in dem Rund mit sechs Metern Durchmesser ist. In der Mitte steht ein Ofen, an den Wänden eine Kommode, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein Bett eine Bank. Es gibt auch Strom in der Jurte, eine Hängelampe spendet Licht.

Wer durch die Tür will, muss den Kopf einziehen. Zimmermann mit ihren 1,57 Metern Körpergröße kann auch am Rand des Raums stehen, wer größer ist, muss sich an den Wänden ein wenig bücken. Sehr hellhörig ist es in der Jurte, der Verkehrslärm von der Landesstraße wird durch Filz und Baumwolle kaum gedämmt.

Der Fußboden aus Brettern ist verschraubt, er ruht auf massiven Hölzern. Die Seitenwände bestehen aus fünf unterschiedlich langen Einzelteilen eines hölzernen Scherengitters, die leicht konvex nach innen gebogen sind. Sie werden mit Schnüren aneinandergebunden, in die Aussparung wird die bunte angemalte Tür gesetzt. 80 Dachstangen werden in die Löcher der mit Schnitzereien verzierten „Krone“ gesteckt, die von zwei Stützen im Raum getragen wird, und an der Wand mit Stricken aus Pferdehaar befestigt. Auf die Hölzer werden als Wände und Dach außen dicke Filzmatten gelegt. Zwei Teile bilden die Wände, zwei das Dach. Darüber liegt eine Folie, die Feuchtigkeit nach außen durchlässt, darüber als Wetterschutz ein imprägniertes Baumwolltuch. Seile fixieren die Lagen und sorgen für Stabilität.

Zwei Wochen vor Weihnachten verließ Zimmermann ihre Jurte und suchte ihre feste Wohnung auf, die sie ebenfalls noch hat. “Eigentlich zu früh”, stellte sie jetzt fest, nachdem sich ein richtiger Winter noch nicht eingestellt hatte. Im Sommer sei es ja ganz angenehm, wenn ein Lüftchen durch die Ritzen zwischen Wand und Fußboden ziehe, aber im Winter sorge das für eine gewisse Kühle. Die Vorbesitzerin schlief auch im Winter in der Jurte. “Wohnen in einer richtigen Wohnung ist von anderer Qualität”, stellt Zimmermann fest. Eigentlich wollte die Bauingenieurin die Jurte über Winter abbauen und einlagern. “Das habe ich verpasst, jetzt schiebe ich halt den Schnee vom Dach”, sagt sie.

Für zwei Jahre hat Zimmermann das Grundstück gepachtet, wenn es verkauft wird, muss sie ihre Jurte abbauen. Wie die Mongolen, die mit ihren Tieren oder heute mit Lieferwagen ihren Hausstand und ihre Jurte in Einzelteilen an den neuen Platz verlegen. Dann geht das “Sommervergnügen”, wie Zimmermann ihr Experiment nennt, an anderer Stelle weiter.

Von Joachim Gries