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Beedenbostel Luther in vielen Facetten in Beedenbostel
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Beedenbostel Luther in vielen Facetten in Beedenbostel
13:03 01.11.2017
In der Martinskirche in Beedenbostel wurde am Dienstag das Luther-Gesprächskonzert „Die Macht der Liebe und des Glaubens“ aufgeführt. Quelle: Michael Schäfer
Beedenbostel

Martin Luther als Theologe, Übersetzer und Komponisten zu Wort kommen und erleben zu lassen, das hatten sich die rund 25 Mitglieder des Martinchors samt ihrer Leiterin vorgenommen und ein bunt gemischtes Programm aufgestellt, dass Luther und „seine“ Reformation von innen und außen besehen beleuchtete. In vielen Facetten bekamen die Zuhörer im gut besuchten Gotteshaus Gedanken und Lebensabschnitte des Reformators vorgestellt – teils durch Lesungen und Rezitiertes, teils durch eine Auswahl von Liedern – von Bach bis Volkslied – die nicht alle aus Luthers Feder, dafür umso passender und ergänzender zum Text standen.

Die Musik, so Claudia Ott zusammenfassend, war Luther immer wichtig. „In christlichen Liedern sah er eine Möglichkeit, dem Teuflischen entgegenzutreten, ja Mut, Trost und Kraft zu schöpfen und die Traurigkeit zu besiegen“. Not und Leid hatten die Menschen in seiner Zeit stark zuertragen, ausgepresst und eingeschüchtert von der weltlichen und klerikalen Obrigkeit, die sich mit Abgaben und Ablassverkäufen die Kassen füllte.

Mit einer kurzen Lesung aus dem Buch „Kinder des Ungehorsams“ von Asta Scheib – eine Geschichte über die Liebe zwischen Martin Luther und Katharina von Bora – leitete Ott die Veranstaltung ein. Wie sie selbst hatte es für ihn in jungen Jahren wenig Geborgenheit und Verständnis gegeben, stattdessen Drill zum Gehorsam – für beide ergab sich daraus nur der Weg zur Flucht nach vorn. Thesenanschlag, Kaiserliche Acht, Bibelübersetzung auf der Wartburg und dann der jahrzehntelange Kampf zwischen Klerus und Eiferern: Wut, deftige Worte und ein stetes Ringen. Das Ehepaar war sich Partner und stützte sich gegenseitig.

Anrührend ließ der Chor den einzigen, von Martin Luther selbst vierstimmig komponierten Chorsatz erklingen – frei übersetzt „ich werde nicht aufgeben, sondern leben und die Worte des Herrn verkündigen“. Überhaupt bewies der Martinschor mit mal anrührender, mal kraftvoll-entschlossener Mehrstimmigkeit eine beachtliche musikalische Qualität.

Ein Höhepunkt, an dem gesangliches Können und textliche Fähigkeiten sich ganz im Sinne Luthers verbanden, war die Neufassung alter Textzeilen, die man heute wohl als diffamierend und „politisch unkorrekt“ bezeichnen würde: Statt Vernichtung Versöhnung und statt Zwangsmissionierung Verständnis, Dialog und gegenseitige Toleranz. Ein verbaler und musikalischer Appell an die Welt heute, der begeistert vom Publikum angenommen wurde – wie das Konzert insgesamt.

Von Doris Hennies