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Beedenbostel Melkroboter arbeitet in Beedenbostel rund um die Uhr
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Beedenbostel Melkroboter arbeitet in Beedenbostel rund um die Uhr
16:50 30.06.2017
Beedenbostel

Von Werksbesichtigungen in der Automobilindustrie kennt man die Arbeit von Robotern – wie geschickt die Maschinen automatisch Teile drehen, punktgenau heften, kleben oder schweißen und auch die sogenannten Überkopf-Arbeiten problemlos erledigen. Drehungen von 180 Grad sind Alltag.

Roboter verbindenTiere und Technik

Vergleichbare Technik ist bereits vor Jahren in der Landwirtschaft üblich. Dennoch besteht ein großer Unterschied: Während in der Automobilindustrie die Roboter einzelne Teile, Module und Baugruppen zueinander führen, muss ein Melkroboter in der Landwirtschaft behutsam lebende Tiere und Technik verbinden, um Schritte in Richtung Tierwohl zu ermöglichen.

„Melkroboter gibt es schon lange, aber diese Technik ist wirklich neu und weiter entwickelt“, sagt Tietje und sitzt an seinem Überwachungsbildschirm.

Per App kann er von überall einzelne Daten abfragen und so die gesamte Herde im Blick behalten: Gemolkene Tiere ohne erneutes Melkanrecht, Tiere mit Melkanrecht, auffällige Tiere, durchschnittliche Melkdauer, Milchfluss, Kraftfutterverwertung pro Tier. „Ich finde das gut, denn je mehr Infos ich bekomme, desto besser kann ich die Herde betreuen.“ Natürlich muss immer jemand vor Ort sein, die Herde im Blick haben und das Befinden einzelner Küche überwachen. Die Einsparung von ohnehin schon knapper Arbeitszeit in der Milchviehhaltung sei aber für seinen Betrieb ein wichtiger Investitionsgrund für das automatische Melksystem gewesen.

Der Roboter biete mit seinem hydraulisch gesteuerten Multifunktionsarm, dem Vorbereitungsbecher für eine bestmögliche Stimulation sowie der Möglichkeit, abgetretene Melkbecher einzeln wieder anzusetzen, optimale Voraussetzungen, begründet Tietje seine hohe Investition in vier Melkroboter. So sei es ihm möglich, mit ganz geringem Personalaufwand acht bis zehn Kühe pro Stunde melken zu lassen. Pro Roboter. Rund um die Uhr. Die Tiere entscheiden selbst, wann sie gemolken werden wollen.

„Die durchschnittliche Melkzeit beträgt pro Kuh etwa sechs bis sieben Minuten“, hat Tietje ermittelt. Denn neben einem möglichst hohen züchterischen Milchfluss, einer passenden Milchleistung, komme einem optimalen Melkablauf mit einer möglichst kurzen Verweildauer auf der Melkstation für jede Melkung große Bedeutung zu. Der Multifunktionsarm steht für präzise Ansetzbewegungen auch unter schwierigen Bedingungen.

Ältere Kühe sindnoch skeptisch

Die Überwachung von Milchfluss- und Milchmenge erfolgt durch vier Milchmengenmessgeräte. „Diese exakte Messung bildet die absolute Grundlage zur Bestimmung des genauen Abnahmezeitpunktes im viertelindividuellen Melken und zur Mastitisfrüherkennung“, so Tietje.

Natürlich: Die Kühe müssen sich erst daran gewöhnen, nachdem sie bisher in einem Fischgratmelkstand gemolken wurden. „Aber das geht schon ganz gut, lediglich die alten Kühe scheinen etwas skeptisch zu sein“, hat Tietje festgestellt. Neue Kühe würden schnell mit dem Roboter vertraut.

Mit 3D-Kameras und Infraroterkennung arbeitet sich der Multifunktionsarm behutsam an Euter und Zitzen der Kuh heran. Tietje: „So ist die viertelindividuelle Milchentnahme möglich.“

Von Lothar H. Bluhm