Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Beedenbostel Musikalischer Reisebericht begeistert Publikum
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Beedenbostel Musikalischer Reisebericht begeistert Publikum
15:25 18.01.2017
Beedenbostel

Und Kunsthistorikerin Birgit Kammerlohr erläuterte die historischen Schönheiten der Barockkirche „San Antonio de los Alemanes“ in Madrid, in der das Abschlusskonzert stattgefunden hatte. Beide Damen sind Mitglieder des Chores und berichteten aus eigenem Erleben heraus. Im Wechsel mit den Moderationen trug der Chor jeweils die Lieder vor, die genau an den zuvor oder unmittelbar danach beschriebenen Orten Spaniens vorgetragen worden waren. Die Museumskirche „Jorge Rando“ zum Beispiel, wo man unter anderem mit „Viva, viva la musica“ begeisterte. Oder zufällig beim Stadtrundgang entdeckte „Orte mit spezieller Akustik“, etwa eine Unterführung. Und nicht zuletzt die Festung in Málaga, an deren Fuß man mit deutschen Volksliedern, darunter „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“, die zahlreichen Passanten zum Verweilen einlud. Ein spontanes Minikonzert gab der Chor auch in der Kathedrale von Málaga, wo Bachs Choral „Jesu, meine Freude“ quasi als Eintrittskarte diente. Emotionaler Höhepunkt dieser an Impressionen ungemein reichen Reise war jedoch nach übereinstimmender Aussage aller Teilnehmer das Konzert in der mit herrlichen Freskomalereien ausgeschmückten Barockkirche „San Antonio de los Alemanes“ in Madrid, wo die Choristen unter anderem – verteilt auf Altarraum und Nischenbalkons – den Doppelchoral „Halt was du hast“ von Johann Michael Bach zur Aufführung brachten.

Der musikalische Teil dieses Reiseberichtes ließ nachempfinden, warum „der Landchor aus Alemania“ in Spanien so gut ankam. Es ist diese Mischung aus eigener Begeisterung und Begeisterungsfähigkeit, die sich – ausgehend von der ungemein engagierten Chorleiterin Claudia Ott – durch den gesamten Chor zieht. Unter ihrem souveränen Dirigat erwiesen sich die Choristen im grandios ineinander greifenden Netzwerk ihrer Stimmen zudem als einfühlsame Textausdeuter und beeindruckende Gestalter polyphonen A-Cappella-Gesangs. Fest verankert im ästhetisch Schönen, in stimmlicher Ausgewogenheit und mit feinen dynamischen Abstufungen zwischen Dramatik und poesievoller Süße kamen die Lieder daher. Eine expressive Mischung aus Kraft und Zartheit, die jedoch nicht packte und überwältigte, sondern – wie bei Mendelssohns Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ – rührte und berührte. Eine geradezu fesselnde Atmosphäre strömender Emotionen und beschwingter Vitalität. Einfach schön.

Von Rolf-Dieter Diehl