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Eldingen Bienen-AG wird zum Erfolgsmodell
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Eldingen Bienen-AG wird zum Erfolgsmodell
12:39 20.06.2018
Quelle: Anke Schlicht
Eldingen

Wie jeden Mittwochnachmittag haben die kleinen Mitglieder zwischen sechs und acht Jahren das Klassenzimmer gegen den Bienenzaun am Eldinger Ortsrand getauscht.

Mittlerweile ist es nicht mehr so selten, dass sich Imker in den Dienst der pädagogischen Arbeit stellen und im Rahmen von freiwilligem Unterricht etwas vermitteln von der Faszination dieses außergewöhnlichen Insekts. Als Udo Kellner das Schulprojekt vor sieben Jahren startete, hatte er jedoch eine Vorreiterrolle inne. „Kinder interessiert das, das habe ich schon bei meinen eigenen Kindern gemerkt“, berichtet er über die Anfänge. Die Schulleitung zögerte keinen Augenblick, Kellners Idee in die Tat umzusetzen, für die Finanzierung der Ausstattung vom Smoker bis zur Honigschleuder sorgte die Sparkasse Celle aus ihrem Budget für Umweltprojekte.

BEEREN, BRUT UND BEUTEKÄSTEN

„Das sind die kleinsten Anzüge, die es überhaupt gibt“, erläutert der Gruppenleiter, als sich die drei Jungen und drei Mädchen ihre Schutzkleidung anlegen. Der Weg zu den Insektenhäusern führt an einer Reihe von Sträuchern vorbei, die der im Celler Bieneninstitut ausgebildete Imker eigens für Unterrichtszwecke angepflanzt hat. Bei den Stachelbeeren müssen die Schüler lange überlegen, Erd- und Johannisbeeren benennen sie spielend. Und einige Meter weiter an den Beutekästen machen sie manchem Erwachsenen etwas vor: „Wieso halten denn einige Bienen den Kopf nach unten in die Zelle?“, lautet die erste Frage zum quirligen Geschehen im Wabenrahmen. „Sie füttern!“, kommt es zur Antwort wie aus einem Munde. „Ich möchte den Kindern die Natur nahebringen, viele von ihnen wissen doch gar nicht mehr, wo das, was sie essen, herkommt“, sagt Kellner in einer der wenigen Ruhephasen. „Woher weißt du das alles, Udo?“, fragt Yassin, nachdem erklärt wurde, weshalb er Brut ausschneide. Aus über fünf Jahrzehnte langer Erfahrung könnte der Vorsitzende des Imkereivereins Celle-Land antworten, denn der gebürtige Eldinger Kellner gibt mit seinem Engagement etwas weiter, das er selbst erlebt hat. „Als Kind bin ich zur Imkerei, die es damals noch im Dorf gab, gelaufen und habe zugeguckt und geholfen“, erzählt er. Mit 13 Jahren bekam er vom lokalen Bienenzüchter sein erstes Bienenvolk geschenkt. Seitdem hat er mit Ausnahme weniger Jahre immer Bienen besessen. Diese Leidenschaft gibt er weiter. „Die Unterrichtsgestaltung richtet sich nach dem Wetter. Im Laufe des Schuljahres haben wir bereits alle imkerlichen Tätigkeiten ausgeführt, Rähmchen gebaut, zusammengelötet, auch schon Honig geschleudert, aber manchmal gehen wir auch einfach mal ein Eis essen“, beschreibt er die Inhalte der Bienen-AG, die zum Erfolgsmodell geworden ist und Anforderungen stellt. In mancher AG-Stunde sieht sich der Experte einem wahren Fragen-Marathon gegenüber, der schon mal weit vom Thema wegführen kann: „Wofür ist der Schaumstoff hier?“, „Wie alt bist du, Udo?“ Für den 74-jährigen Naturfreund und früheren Fahrlehrer alles kein Problem: „Für Bienen tue ich alles!“, verabschiedet er sich lachend.

Von Anke Schlicht