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Eldingen Neue „alte“ Orgel für Eldingen
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Eldingen Neue „alte“ Orgel für Eldingen
16:40 27.09.2013
Organist Friedrich Ehlers, Kirchenvorstandsvorsitzende Margret Fuhlrott und Orgelbaumeister Udo Feopentow sind mit dem Ergebnis der Restauration zufrieden. Quelle: Joachim Gries
Eldingen

Axel Fischer ist ganz begeistert, wenn er von dieser Orgelrestaurierung unter seiner Obhut spricht. Fischer ist der in Bergen an der Dumme lebende Organist und Orgelsachverständige, der bis hinein ins Celler Land zuständig ist. So auch für Eldingen, wo eine von mehreren Meyer-Orgeln im weiteren Umfeld von Hannover steht, die ab dem morgigen Sonntag die Menschen wieder erfreuen soll.

Fast überschlägt sich Fischer in seinem Redefluss, wenn er berichtet, wie es zu der Renovierung gekommen ist: „Wissen sie, eigentlich ist es ja oft so, dass Orgelerneuerungen dann stattfinden, wenn sowieso die Kirche renoviert wird. Hier war es nun gerade umgekehrt. Als wir mit dem Landeskirchenamt den Ortstermin wegen der Orgelpläne hatten, stellte sich heraus, dass es sinnvoll wäre, im Zusammenhang mit der Orgelerneuerung gleich auch die Kirche zu renovieren. “ So kam Eldingen in Folge der Orgelrenovierung auch noch zu einer Kirchenrenovierung. Diese ist lange fertig, als Orgelbauer Udo Feopentow mitten in der Orgel stehend erklärt, was alles an Arbeit für ihn anstand in den letzten Monaten. „Das Wichtigste war es für uns, zunächst einmal zu dokumentieren, wie wir die Orgel vorfanden. Und dann mussten wir heraus bekommen, was denn an dieser Orgel von 1853 wirklich noch vom hannoverschen Hoforgelbauer Eduard Meyer war und was nicht, denn es wurde über die 160 Jahre Orgelgeschichte manches verändert am Instrument.

Dabei ist vom originalen Instrument und dessen ursprünglichen Qualitäten vieles verloren gegangen. Wir haben unter anderem etwas Ungewöhnliches für eine deutsche Orgel dieser Zeit und Größe gefunden, nämlich ein Schwellwerk. Das sind Pfeifenreihen, die in einem Kasten sitzen, der nach vorne durch Holzlamellen zu verschließen ist. Dadurch kann man die Lautstärke reduzieren. Und dieses Schwellwerk haben wir wieder hergestellt.“ Fischer ergänzt noch: „Im Gegensatz zu den bekannten Schwellwerken französischer Orgeln der Romantik geht es bei dieser Art Schwellwerk nicht ums Lauterwerden, sondern umgekehrt darum, den Klang in der Lautstärke leiser machen zu können. Das ist genau genommen eigentlich ein Abschwellwerk.“ „Und das wird hier bald wieder gut funktionieren,“ so weiß Feopentow, der noch so manch Stunde in diesem letzten Tagen vor der Wiederweihe an, in und mit der Orgel verbracht hat. „Das war aber längst nicht alles, was an dieser Orgel zu restaurieren war. Ich musste vier Register komplett neu bauen und klanglich einpassen, andere wurden entfernt. Und vor allem muss die ganze Luftversorgung neu konstruiert werden.“

Man merkt Fischer genauso wie dem Orgelbauerehepaar Feopentow an, mit welch Herzblut sie an diesem Projekt gearbeitet haben. Und so wissen sie auch zu jeder noch so am Detail interessierten Frage, umfassende Antworten zu geben. Nur eine Antwort bleiben sie schuldig: Die, warum man eine Orgel einem Ideal einer Zeit nähert, in der im deutschsprachigen Raum kaum qualitativ erstklassige Orgelmusik entstanden ist. Dass das sinnvoll ist, das wird stillschweigend und geradezu als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Fischer allerdings ist der festen Überzeugung, dass dieses Instrument zwar vielleicht nicht für alle Stücke früherer musikalischer Epochen geeignet ist, aber doch für einen ganz beträchtlichen Teil. Und er hält diese Orgel für „auf ihre Art perfekt.“

An diesem Sonntag wird man nach einem morgendlichen Einweihungsgottesdienst und diversen Orgelvorführungen um 16.30 Uhr in einem Konzert mit Axel Fischer, Hans Lorenz Funk und Dorothea Peppler barocke und romantische Stücke auf dieser Orgel hören können.

Von Reinald Hanke