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Eldingen Von Bargfeld nach Nartum: Tagebuch einer Wanderung
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Eldingen Von Bargfeld nach Nartum: Tagebuch einer Wanderung
16:56 22.09.2016
Haben sich aufgemacht zur „Landvermessung“ und stellten bei einer Lesung in Bargfeld das gleichnamige Buch mit Fotos und Texten zu ihrer Wanderung zwischen Bargfeld und Nartum vor: Gerhard Henschel und Gerhard Kromschröder (rechts) in der Gutsscheune. Quelle: Joachim Gries
Bargfeld

Kempowski lebte in einem großen Wohnhaus in Nartum in der Nähe von Rotenburg/Wümme. Sein Lebensstil war ein ganz anderer als der Schmidts. Während Schmidt die Abschottung suchte, praktizierte Kempowski ein offenes Haus, in dem er gerne Gäste empfing. Zwei Welten: Hier Schmidts beengte Bleibe, dort das weitläufige Haus mit großer Bibliothek und einem Salon, in dem viele Gäste gleichzeitig Platz fanden. Letztes Jahr nun machten sich Autor Henschel und Fotograf Kromschröder auf den Weg, eine Empfehlung Kempowskis gegenüber Henschel Realität werden zu lassen: „Eine Tour, die in Bargfeld beginnt, sollte in Nartum enden“, so äußerte er sich. Und genau das praktizierten die beiden dann auch.

Henschel formulierte noch unterwegs Tagebucheinträge, die er dann zu Hause erweiterte, um so seinen Eindrücken eine Form und Sprache zu geben, die Bestand hat. Kromschröder hielt auf dem Weg Ausschau nach kennzeichnenden Motiven, die er in seinen Fotos dokumentierte. Herausgekommen ist ein Buch, das auf gelungene, einerseits menschennahe, aber auch immer wieder distanzierend relativierende Weise die Landschaft und die Menschen in diesem norddeutschen Landstrich charakterisierte. Nun trugen die beiden aus ihrem geschmackvoll gemachten Buch „Landvermessung“ in der Edition Temmen vor und zeigten dazu passende Fotos.

Das trotz der vielen Fotos und aufwendiger Gestaltung sehr preiswerte Buch dürfte für annähernd jeden in diesem Landstrich interessant sein, denn Henschel gelingt es wunderbar, ganz unterschiedliche Erlebnisse in einem Text zu vereinen. Hier geht es mal um Quadfahrer in der Heide, dort um die Ernährung der Einheimischen. Und immer wieder geht es um die Geschichte der durchwanderten Region. Hier mal um Albrecht Thaer, um einen Trivialautor oder um Adolf Eichmann, dort mal um ein frühes Bad, das längst nicht mehr existiert, und immer wieder um alte und neue Architektur. Dazu passende Fotos ergänzen nicht nur, sondern spiegeln eine eigene Sicht des Fotografen wider. Etwas unglücklich ist das Ganze nur, wenn die Fotos so klein gedruckt sind, dass ihre anekdotischen Qualitäten nicht zur Wirkung kommen. Und wenn dann ganze Fotostrecken mit großen Aufnahmen ohne Bezug zum Text diesen gliedern, fragt man sich auch ein wenig, was das soll. Aber trotzdem: eines der besitzenswertesten Bücher für Norddeutsche zwischen Bargfeld und Nartum. Reinald Hanke

Von Reinald Hanke