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Hohne Hohner Ratsherr kämpft für seine Bettruhe
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Hohne Hohner Ratsherr kämpft für seine Bettruhe
16:03 18.07.2017
Quelle: Amelie Thiemann
Hohne

Der Hintergrund: Preißler hatte in der ersten Sitzung nach der Kommunalwahl 2016 einen Antrag gestellt, in dem er einen Beginn der Ratssitzungen um 17 statt um 19 Uhr gefordert hatte. "Ich muss zeitig zu Bett, um überhaupt ein wenig Ruhe zu finden", erläutert Preißler seinen damaligen Vorstoß. "Spät abends kann ich mich nicht mehr konzentrieren." WGH-Ratsherr Rainer Kahle hatte in der Diskussion zu bedenken gegeben, dass die vorgeschlagene Uhrzeit von den arbeitenden Ratsmitgliedern nur schwer wahrgenommen werden könnte. Schließlich hatte man sich auf einen Kompromiss geeinigt: Die Ratssitzungen begannen in Hohne von da an um 18 Uhr.

Diese Regelung funktionierte nach Preißlers Ansicht gut. Fein säuberlich notierte er sich bei jeder Sitzung die Besucherzahlen: Manchmal kamen 15, manchmal sogar 40 Einwohner zu den öffentlichen Ratssitzungen. "Zufriedenstellend", zieht Preißler Bilanz und ergänzt: "Von den Ratsmitgliedern hat auch nie jemand wegen der frühen Uhrzeit gefehlt." Teilweise dauerten die Sitzungen trotz des frühen 18-Uhr-Termins bis 22 Uhr – die absolute Grenze für den an Schlafapnoe leidenden Preißler.

In der letzten Sitzung des Hohner Gemeinderates vor der Sommerpause stand die Regelung dann wieder auf dem Prüfstand. Ratsfrau Svenja Thiele (CDU) bemängelte, dass sich der Versuch eines frühen Beginns nicht bewährt hätte. Berufstätige Ratsmitglieder und Zuhörer hätten Schwierigkeiten, den Sitzungen beizuwohnen. Thiele schlug vor, den Beginn wieder auf 19 Uhr festzulegen.

Vor allen Anwesenden verteidigte Preißler den Beginn um 18 Uhr und berichtete offen von seinem Leiden. "Ich musste vor der Öffentlichkeit die Hose runterlassen", beschreibt der Ratsherr die Situation. 2010 bemerkte Preißler seine Atemaussetzer, die ihm eine Tiefschlafphase verwehrten und ihn morgens wie gerädert aufwachen ließen. Nächte im Schlaflabor brachten die vermeintliche Lösung: Mit einer Atemmaske sollten die Aussetzer in den Griff bekommen werden. "Mein Körper hat die Maske abgelehnt", erzählt Preißler der CZ. Deshalb wurde ihm ein Zungenschrittmacher implantiert. Dieser ist mit Zunge und Zwerchfell verbunden. Macht sich letzteres zur Einatmung bereit, bekommt die Zunge einen leichten Stromstoß und spannt sich an. Die Luftröhre bleibt offen, und Preißler atmet ohne Aussetzer weiter. Acht Stunden lang bekommt Preißlers Zunge alle vier Sekunden einen Elektroschlag. Nur in diesem Zeitraum sei an Schlaf überhaupt zu denken. "Darum gehe ich auch immer gegen 22 Uhr ins Bett", sagt Preißler.

Darauf wies der Ratsherr auch während der Diskussion im Gemeinderat hin. Er zitierte aus Artikel 3 des Grundgesetzes, der besagt: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." Dass seine Ratskollegen trotzdem auf einen späteren Sitzungsbeginn drängten, stimmte den Hohner traurig: "Es geht doch bloß um vier Sitzungen im Jahr. Ich habe mein Problem an allen 365 Tagen." Seiner Ansicht nach hätte ein früher Sitzungsbeginn weiterhin funktioniert.

Preißler schlug letztlich einen Kompromiss vor, dem alle Ratsmitglieder zustimmten. Ab sofort beginnen die Ratssitzungen in Hohne um 19 Uhr, enden allerdings spätestens um 21.30 Uhr – damit Preißler rechtzeitig schlafen kann.

Von Amelie Thiemann