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Hohne Nachzahlung für Zwillings-Eltern in Hohne
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16:53 03.12.2013
Björn und Ann Kathrin Schubert mit ihren vier Zwillingen - (von links) Mia, Leif, Finn und Eva. Quelle: Joachim Gries
Hohne

"Menschen mit Kindern können jeden Cent gebrauchen. Sie müssen es nur wissen", sagt Björn Schubert. Der Hohner ist Vater von vier Kindern, genauer gesagt Vater von vier Zwillingen, und hat nach der Rechtssprechung des Bundessozialgerichts (BSG) vom Juni dieses Jahres Anspruch auf höheres Elterngeld. Und zwar rückwirkend bis ins Jahr 2009. Doch nur durch Zufall hat er davon erfahren – und das ärgert ihn.

Im März 2008 brachte Schuberts Frau Ann Kathrin die Zwillinge Eva und Finn zur Welt. Die Eltern beantragten Elterngeld. Für ein Kind gab es das volle Elterngeld, das sich nach der Höhe des Einkommens der Mutter richtete, für das zweite Kind einen Pauschalbetrag von 300 Euro. Im November 2009 stellte sich erneut Nachwuchs ein – wieder waren es Zwillinge: Mia und Leif. Wieder beantragten die Eltern Elterngeld.

Erst kürzlich sei sein Schwager von einem Bekannten gefragt worden, ob der nicht Eltern mit Zwillingen kenne, erzählt Schubert. Die hätten nämlich nachträglich Anspruch auf ein höheres Elterngeld. Schubert informierte sich im Internet und wurde schnell fündig. Jedes einzelne neugeborene Kind hat nach dem BSG-Urteil einen eigenen Elterngeldanspruch. Im Klartext: Es gibt deutlich mehr Geld für die Eltern. Schubert schickte einen formlosen Zweizeiler an die Elterngeldstelle beim Landkreis Celle, wenige Tage später traf der Antrag in Hohne ein. Er musste nur noch um wenige Angaben ergänzt werden, vorgestern gab Schubert die Unterlagen ab.

Wie hoch die Nachzahlung ausfällt, haben Schuberts noch nicht genau berechnet. Sie rechnen mit mehreren tausend Euro, ein ordentliches Weihnachtsgeld, das sie gut gebrauchen können, denn derzeit entsteht im Obergeschoss des Hauses für jedes Kind ein eigenes Zimmer.

Das Bundessozialgericht hatte im Juni entschieden, dass Eltern die zusätzlichen Elterngeldbeträge auch für frühere Elterngeldzeiten ab dem 1. Januar 2009 beantragen können. Am 31. Dezember, also in knapp vier Wochen läuft die Antragsfrist für das Jahr 2009 ab. "Wenn das verfällt, wäre das schon ärgerlich", sagt Ann Kathrin Schubert. Damals hätte die Familie es gut gebrauchen können, bei den "vier Windelscheißern", wie sie liebevoll sagt.

Ihr Mann hat kein Verständnis dafür, dass die betroffenen Eltern nicht automatisch auf die höheren Ansprüche hingewiesen werden. Als er telefonisch bei der Behörde nachfragte, stellte sich heraus, dass die Daten durchaus vorliegen. "Ich schaue mal auf meine Liste", sagte ihm die Gesprächspartnerin und bestätigte seinen Anspruch. "Das ist doch eine Schweinerei", sagt der Hohner. Er musste übrigens noch einen zweiten Antrag bei der Stadt Celle stellen, weil sie 2008, als Eva und Finn geboren wurden, noch in Scheuen wohnten.

Nach Angaben von Kreissprecher Holger Harms haben 76 Eltern von Mehrlingskindern Anspruch auf eine Nachzahlung und können einen entsprechenden Antrag beim Jugendamt stellen. Ob der Landkreis von sich aus auf die Eltern zugegangen wäre, diese Frage konnte Harms gestern nicht beantworten. Er verwies darauf, dass es eine Zeit gedauert habe, bis das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Verwaltungsvorschriften vorgelegt habe. Tatsächlich verweist das Ministerium auf seiner Hompage erst mit Datum vom 15. November auf die Änderungen.

Von Joachim Gries