Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Hohne Nutrias fressen sich durch Heidelbeerplantage in Hohne
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Hohne Nutrias fressen sich durch Heidelbeerplantage in Hohne
18:20 13.10.2017
Quelle: Thiemann/dpa
Hohne

Die Nager haben es nicht auf die süßen Beeren abgesehen, sondern auf die Feinwurzeln der Pflanzen. "Die Nutrias graben sich in den Mulch ein und kratzen und schaben", beschreibt Dreß. Fünf Pflanzen in drei Tagen sind den Biberratten so zum Opfer gefallen. "Für die ist das eine Delikatesse, jetzt sind sie auf den Geschmack gekommen", sagt Dreß.

Um auf die Plantage zu gelangen, zwängen sich die Jungtiere durch den Drahtzaun, der die Fläche begrenzt. Den Zaun hat Dreß bereits mit engmaschigem Hasendraht aufgerüstet, allerdings um Schermäuse fernzuhalten – eine weitere Plage auf seiner Plantage. Gegen die Nutrias nützt diese Maßnahme nichts.

Bereits im vergangenen Jahr waren Dreß die Nutrias auf seiner Heidelbeer-Fläche aufgefallen. "Ich habe mir aber keine Gedanken gemacht", erzählt der Landwirt. Schäden habe es damals noch keine gegeben. Das änderte sich in diesem Jahr, jetzt nagen die Biberratten die Pflanzen an. Als Dreß den Fall bei der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer meldete, waren die Mitarbeiter überrascht. "Dass Nutrias auch an Heidelbeeren gehen, war ihnen neu", sagt Dreß.

Inzwischen leben deutlich mehr Nutrias am Schwarzwasser. Sie sind Neozoen, das heißt, sie sind ursprünglich nicht in Deutschland beheimatet, sondern in Südamerika. In Ostdeutschland wurden die Nutrias auf Pelzfarmen gehalten. Heute werden sie nicht mehr verarbeitet, doch einige Tiere gelangten damals in die Freiheit, verbreiteten sich im Land und vermehren sich seitdem kräftig. Bis zu fünf Würfe im Jahr kann ein Weibchen austragen. Wie sehr die Nutria-Population wächst, verdeutlichen die Abschusszahlen im Landkreis Celle: Waren es im Jahr 2015 rund 500 geschossene Tiere, werden es in diesem Jahr wohl 2000 Nutrias sein.

"Die vermehren sich wie die Ratten", sagt Kai von Steuber, Vorsitzender der hiesigen Jagdgenossenschaft. Er schaute sich die Schäden auf Dreß' Plantage an und empfahl dem Landwirt, sich an die Jagdpächter des Gebiets zu wenden. Die könnten die Nutrias mit Fallen und per Waffe jagen. Die Wasserverbände, die ihre Wasserläufe vor den buddelnden Nagern schützen wollen, zahlen eine Prämie von sechs Euro pro getötetem Tier.

Das Problem: Bei der Jagd muss die Setzzeit beachtet werden – bei bis zu fünf Würfen pro Jahr "eine schwierige Geschichte", wie es Kreisjägermeister Hans Knoop formuliert. Grundsätzlich seien die Jäger im Celler Land in der Lage, den Nutria-Zuwachs im Griff zu behalten, allerdings sieht Knoop ein anderes Problem: "Der Jäger ist in den Augen vieler immer der Böse. Hier ist die Politik gefragt, Anreize zu geben und Aufklärung zu betreiben."

Von Amelie Thiemann