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Hohne Scherben aus Hohnes Vergangenheit
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Hohne Scherben aus Hohnes Vergangenheit
16:51 27.08.2010
Heidei Schmidtsdorff mit ihren kuriosen Steinen und Versteinerungen. Quelle: Joachim Gries
Hohne

„Ich sammel Seeigel und alles, was komisch aussieht“, sagt Heidi Schmidtsdorff. Seit 35 Jahren ist die Hohnerin beim Kartoffelroden dabei. Anfangs stand sie auf dem Roder neben dem Steinband. Auf das verirrten sich nach der maschinellen Vorsortierung auch Kartoffeln, die dann rausgesammelt wurden. Und unter den Steinen war viel, was Schmidtsdorffs Aufmerksamkeit nicht entging. „Wenn es halbrund ist, steckt schon was dahinter“, sagt sie.

Schon als Kind hat die heute 65-Jährige versteinerte Muscheln gesucht. Und dabei einen Blick dafür bekommen, was sich Geheimnisvolles unter einer Dreckkruste verbergen kann. Denn wenn der Kartoffelroder über ein nasses Feld fährt, klebt so viel Erde an Kartoffeln und Stei-nen, dass erst später mit Wasser und Bürste der eigentliche Fund freigelegt werden muss.

Irgendwann hatte Schmidtsdorff auf dem Kartoffelroder Tonteile entdeckt. Nach dem Reinigen wanderten die in die Schale mit den anderen kuriosen Funden. „Das meiste sind Naturspielereien, die durch Umwelteinflüsse in Form gebracht wurden“, stellt sie klar.

Irgendwann zeigte Schmidts-dorff die Schätze ihrem Nachbarn Jürgen Klatt. Und der begann zu recherchieren, was es mit den Tonfragmenten auf sich haben könnte.“ In meinen Augen waren die nicht älter als 300 bis 400 Jahre“, sagt der 74-Jährige, der früher bei Telefunken in Berlin als Mechaniker tätig war. Nach dem Besuch eines Museums in Hoheneggelsen und einer Ausstellung in Hildesheim wusste er, dass es sich um Scherben von Grapen handelt. Das waren flache oder kesselförmige Tongefäße mit drei Beinen, die innen glasiert waren und zum Erwärmen und Kochen von Speisen im offenen Feuer dienten. In der Wissenschaft sind diese Küchengeräte seit etwa 1150 bekannt, später wurden sie aus Bronze gefertigt.

Für Klatt bedeutet der Fund, dass die Region um Hohne schon im 12. Jahrhundert besiedelt war. Wo genau Schmidtsdorff die Teile fand, kann sie heute nicht mehr sagen. Und wie lange sie unerkannt in ihrer Schale lagen, weiß sie auch nicht. Zurzeit sind die Scherben verschollen, nach dem Fotografieren hat Klatt sie verlegt. Aber er ist sicher, dass sie wieder auftauchen. Schade finden er und Schmidtsdorff, dass die alten Funde keine Erwähnung im Hohner Dorfbuch fanden, das bis in die Anfänge des Dorfes zurückreicht. Aber als daran gearbeitet wurde, schlummerten die Scherben noch unerkannt zwischen Steinen in der Schale.

Schmidtsdorff geht in den nächsten Wochen wieder auf Schatzsuche: auf dem Kartoffelroder am Kartoffelband. Vielleicht sind ja weitere Zeugnisse der frühen Hohner Besiedlung wieder dabei.

Von Joachim Gries