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Hohne Zur Zucht gehört der Hahnenschrei
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Hohne Zur Zucht gehört der Hahnenschrei
20:28 07.11.2010
Hubert Stamme mit seinem rotgesattelten Italiener-Hahn. Quelle: Joachim Gries
Hohne

Wenn sich seine Hühner zusammen mit dem Hahn im grünen Gras tummeln, dann freut sich Tjark Käbisch. „Das sieht cool aus“, sagt der 15-Jährige aus Lachendorf. Er ist Jungzüchter und hat am Wochenende mit seinen Marans und Barneveldern an der 60. Südheide-Schau des Geflügelzuchtvereins Celle und Umgebung teilgenommen. „Es geht so“, antwortet er auf die Frage nach der Bewertung. Immerhin haben vier seiner sechs ausgestellten Tiere am Freitag vom Preisrichter die Note „sehr gut“ erhalten.

Über den Ehrenvorsitzenden des Vereins, Gerd-Heyo Schöpf, ist Käbisch zur Geflügelzucht gekommen. Das war vor zwei Jahren, heute hat er ungefähr 30 Hühner. Hin und wieder holt der Habicht eins, deshalb ist die Zahl nicht ganz stabil. Was seine Freunde über sein Hobby sagen, für das er täglich etwa eine bis anderthalb Stunden braucht? „Da reden wir nicht viel drüber“, sagt er. Nur rumgammeln sei aber nicht sein Ding.

Vereinsvorsitzender Jens Rohde ist froh, dass er mit Käbisch und Thilo Kisser, ebenfalls aus Lachendorf, wieder zwei Jungzüchter in den Reihen des Vereins hat, die sich mit Hühnern beschäftigen; in der Abteilung Tauben ist Daniel Ciesla aus Celle Jungzüchter. Nachwuchs kann der Verein gebrauchen, der Altersdurchschnitt der Mitglieder liegt etwa bei 70 Jahren. Von den heute noch 42 Mitgliedern befassen sich 17 mit der Zucht. Es habe immer Aufs und Abs in der Geschichte des Vereins gegeben, der 1898 gegründet wurde.

Rohde begann vor 15 Jahren mit der Zucht, da hatte er endlich den nötigen Platz. „Ich konnte noch nie an einem Hühnergehege vorbeigehen“, sagt der Vereinschef. Heute hat er rund 30 Tiere, mit acht Tieren der Rasse Zwerg-Barnevelder ist er in Hohne angetreten. Die Familie hat auch keine Schwierigkeiten damit, wenn ein Huhn im Kochtopf landet und auf den Tisch kommt. Auch die Nachbarn nehmen gern eins seiner Hühner. Und es gibt viele Hobbyhalter, bei denen die Züchter ihre Hennen loswerden. Die werden vor allem wegen der Eier gehalten, denn da hat nach Rohdes Einschätzung beim Verbraucher ein Umdenken stattgefunden. Bei vielen müssen es inzwischen Eier aus Bodenhaltung sein. Beim Fleisch sei das noch nicht so. Dazu trage wohl auch der Preis bei. Hühner aus Massentierhaltung kosten nicht die Hälfte.

Die Celler Züchter sehen die Massentierhaltung mit Argusaugen. Komme die Bannmeile um den Schlachthof in Wietze, mache das das Hobby noch schwieriger. Seit der letzten Vogelgrippe-Welle gebe es auch beim Geflügel eine Anmeldepflicht, die mit viel Bürokratie verbunden sei. Die Züchter erhielten altes Naturgut, reine Rassen mit ihren Genreserven. In der Massentierhaltung gibt es nur noch Hybriden.

Leicht haben es Züchter heute in Stadtgebieten nicht. „In Deutschland wird alles reglementiert“, sagt Rohde. „Was stört, ist unerwünscht.“ Doch wer ernsthaft züchten will, muss drei bis vier Hähne haben. Und die krähen nun mal.

Die Hähne der kleinen Rassen sogar lauter als die der großen Rassen, weiß Hubert Stamme aus Eschede. Er und seine Frau Elke haben rund 180 Hühner verschiedener Rassen, dazu 26 Gänse. Von denen werden aber nur fünf, sechs Weihnachten überleben. Das Schlachten sei schon ein Problem, sagt Stamme, vor allem bei Tieren, denen er einen Namen gegeben hat.

Auch Rohde verpasst Tieren, die sich durch Zutraulichkeit oder andere Eigenschaften hervorgetan haben, Namen. „Die werden nicht geschlachtet“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Von Joachim Gries