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Lachendorf „Achtung Auto“ zeigt Gefahr auf der Straße
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf „Achtung Auto“ zeigt Gefahr auf der Straße
18:15 24.08.2010
Reaktionsweg plus Bremsweg ergibt den Anhalteweg – zusammen finden die Schüler die Lösung. Quelle: Joachim Gries
Lachendorf

„Ich hab euch alle übergemangelt. Keiner von euch nimmt mehr am Unterricht teil.“ Mit drastischen Worten beschreibt Bettina Tiemann den Schülern der Klasse 6a der Hauptschule Lachendorf, was eben passiert wäre, wenn sie dort gestanden hätten, wo sie zuvor die Hütchen neben der Fahrbahn postiert hatten. Nur mit Tempo 30 war die ADAC-Verkehrserzieherin mit ihrem Auto angebraust gekommen und hatte nach einem Flaggensignal von Klassenlehrerin Dorothea Schulz eine Vollbremsung hingelegt. Da hätten alle ganz schlechte Karten gehabt, auch Marco Wittmar, der sein Hütchen ganz vorn abgestellt hatte, würde jetzt mit schwerer Gehirnerschütterung auf dem Sofa liegen.

Beim Schätzen des Anhaltewegs bei Tempo 50 waren die Schüler schon vorsichtiger und postierten ihre Hütchen weit vorn. Verhalten sie sich später im Straßenverkehr ähnlich besonnen und vorsichtig, ist ein wesentliches Ziel des Verkehrssicherheitsprogramms über eine Doppelstunde mit dem Titel „Achtung Auto“ erreicht.

Bei einem simplen Lauf über ein paar Meter Fahrbahn hatten die Schüler vorher erlebt, dass sie nicht urplötzlich stehen bleiben können. Und dass es vor dem reinen Bremsweg noch den Reaktionsweg gibt. Das Gehirn muss verarbeiten, dass sich auf der Straße ein Hindernis befindet und den Befehl zum Bremsen geben. Der elfjährige Philipp Offik setzte das Flaggensignal blitzschnell um und blieb dann trotz viel Schwung wie angewurzelt stehen.

Hängt der Bremsweg von der Geschwindigkeit, vom Untergrund und vom Profil der Reifen ab, wird die Reaktion des Fahrers von vielen Faktoren beeinflusst. Ist er ausgeschlafen, abgelenkt, hat er Alkohol oder Drogen konsumiert. „Das wissen wir doch alles nicht“, sagt Tiemann und Schülern und schärft ihnen ein, den Anhalteweg des Autos großzügig zu bemessen – oder das Auto erst durchfahren zu lassen. Und bei Laub auf der Straße im Herbst oder schnee- und eisglatten Fahrbahnen im Winter ist die Gefahr für Fußgänger noch ein Stück größer.

Dass eine Gefahrbremsung auch für die Insassen des Wagens nicht ganz ohne Risiko ist, verdeutlicht Tiemann anschließend. Kinder unter zwölf Jahren und unter 150 Zentimetern Körpergröße müssen auf der Rückbank Platz nehmen. Eine Sitzerhöhung oder ein kompletter Kindersitz ist nicht uncool, das macht die ADAC-Frau deutlich. „Es ist euer Leben, mit dem ihr spielt.“

Von Joachim Gries