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Lachendorf Alte Scheune und junge Heidschnucken
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Alte Scheune und junge Heidschnucken
20:35 14.09.2018
Von Carsten Richter
Katharina Dörnen will in der Scheune des Alten Gutshauses unter anderem Konzerte veranstalten. Quelle: Oliver Knoblich
Bargfeld

Eine fast schon gespenstische Stimmung. Die Luft ist kühl, Nebelschwaden ziehen durch die Straßen von Bargfeld. Morgens um halb zehn liegt Stille über dem 133-Seelen-Ort bei Eldingen. Bis von irgendwoher eine Motorsäge zu hören ist. Die kreischenden Geräusche wirken in dieser frühherbstlichen Idylle beinahe störend.

Das Sägen kommt vom Alten Gutshaus, Anno 1650. Karl-Heinz Grimm schleift Bretter ab, die Sägespäne wirbeln durch die Luft, es riecht nach Holz. Passend zu dem Dorf, das von Landwirtschaftsbetrieben und schmucken alten Bauernhäusern geprägt ist. „Gehen Sie mal dorthin“, sagt er, als er weiß, dass ich mehr über das malerische Gebäude und seine Bewohner erfahren möchte, und zeigt auf die Eingangstür. Während Grimm, der selbst in Steinhorst wohnt und nur zum Arbeiten nach Bargfeld kommt, wieder die Säge anwirft, schaut Katharina Dörnen aus dem Fenster. Sie bittet mich herein – und der Blick fällt sofort in den riesigen Saal. Alles aus Holz. Die Tische, die Stühle, die Wände.

Ein idealer Platz für Feiern, denkt ich. Und genau dafür ist er auch gedacht. Öffentliche Lesungen und Konzerte finden hier statt, aber auch für Hochzeiten und andere Anlässe kann die frühere Scheune gemietet werden. Katharina Dörnen und ihr Mann Felix Fritze haben das historische Anwesen vor zwei Jahren erworben.

Dörnen hat einen interessanten Lebenslauf. Früher hat sie als Stewardesse gearbeitet, später war sie Klavierlehrerin. Sie stammt aus Eltville im Rheingau, nun hat sie die Liebe nach Bargfeld verschlagen. „Mein Mann ist im Celler Landgestüt groß geworden“, erzählt die 61-Jährige. Im Rheingau hatte er zwischenzeitlich ein eigenes Gestüt und auch im neuen Zuhause in Bargfeld hält er zwei Pferde. Der Platz ist da, der Vollblüter „Silent Arc“ und der Schimmel „Schumann“ haben ausreichend Auslaufmöglichkeiten. „Wir haben lange Zeit nach dem passenden Haus gesucht. Wir haben immer gesagt, es wird uns ansprechen, wenn es das richtige ist“, sagt Dörnen. Und das hier ist das richtige. Wie ihr überhaupt Bargfeld und die Region gefallen. „Ich bin hier so herzlich aufgenommen worden, im Rheingau sind die Menschen verschrobener.“

Bis im Alten Gutshaus Leben einkehrt, steht noch etwas Arbeit an. Die Bretter, die auf dem Hof abgeschliffen werden, sollen einmal die Wandregale werden. Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr. Schon am Samstag, 22. September, laden Dörnen und Fritze zum Eröffnungskonzert ein. Auf dem Programm steht eine Faust-Sinfonie von Franz Liszt in drei Charakterbildern nach Goethe. Der Eintritt ist frei, es wird allerdings um Anmeldung gebeten. Am Samstag, 13. Oktober, geht es mit einem Schopenhauer-Konzert weiter.

Bargfeld ist intellektuell geprägt. Nicht nur durch seinen wohl bekanntesten Einwohner, den Schriftsteller Arno Schmidt, der hier mehr als 20 Jahre lebte, bis er 1979 in Celle starb. Vom Alten Gutshaus sind es nur ein paar Meter bis zum Grundstück von Matthias Müller. Der Weg geht über eine alte Holzbrücke, die über die Lutter führt. Die beiden Hütehunde Paul und Oz kommen mir schon entgegen. Eine Klingel? Gibt‘s nicht. „Ich führe ein selbstbestimmtes Leben“, sagt Müller, der seit 1989 hier wohnt und ursprünglich aus Ahnsen im Kreis Gifhorn stammt. Bis vor ein paar Jahren war er Lehrer in Eschede, nun konzentriert er sich ganz auf seine Heidschnuckenzucht, die er von seinem Nachbarn übernommen hat.

„Als ich hierher gezogen bin, wusste ich vom Vermächtnis Arno Schmidts gar nichts“, erzählt Müller. Der 62-Jährige mag den Zusammenhalt im Ort. „Das hat für mich einen unheimlich großen Wert.“ Aber Müller sieht die Idylle auch kritisch. „Viele Häuser stehen leer. Auch der Anschluss ans Mobilfunknetz ist ein großes Problem“, sagt er. Was den Nachzug junger Familien angeht, erlebe Bargfeld gerade eine „Durststrecke“, wie er findet. „Dabei sind es doch nur etwa 25 Minuten bis nach Celle.“

Im Club Einigkeit Bargfeld von 1891, der die jährliche Faslam-Sause organisiert, ist er der Dienstälteste. „Vereine aufzubauen, ist eine Mammutaufgabe geworden“, sagt Müller und holt Futter für seine Heidschnucken. „Die Lämmer habe ich mit der Flasche großgezogen“, erzählt er und hofft, dass seine Kinder eines Tages den Betrieb weiterführen. Und dass die „Durststrecke“ in Bargfeld irgendwann vorbei ist.