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Lachendorf Charles Sievers aus Lachendorf verzichtet in der Fastenzeit auf Facebook
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Charles Sievers aus Lachendorf verzichtet in der Fastenzeit auf Facebook
17:03 02.03.2015
Von Christoph Zimmer
Einfach mal ausschalten: Charles Sievers will sich erst nach dem Ende der Fastenzeit wieder bei Facebook anmelden. Quelle: Benjamin Westhoff
Lachendorf

Erst nach sieben Wochen will sich Charles Sievers wieder bei Facebook anmelden, Nachrichten verschicken, Pinnwände vollschreiben oder nach Freunden suchen. „Ich habe gemerkt, dass die sozialen Medien zuletzt sehr dominant in meinem Alltag geworden sind“, sagt der 52 Jahre alte Lehrer an der Oberschule in Lachendorf. Deshalb verzichtet er in der Fastenzeit 40 Tage auf Facebook, um den Blick auf das soziale Netzwerk und den Umgang damit zu schärfen und für sich selbst mehr Freiheit zu gewinnen.

Seinen persönlichen Account bei Facebook hat er vor Aschermittwoch gelöscht, dem Beginn der Fastenzeit. „Das ist mir nicht schwergefallen“, sagt Sievers. Die eine Stunde, die er auf der Plattform täglich war, hat er jetzt zusätzlich für die Familie und den Haushalt. „Ich habe auch mehr Zeit für andere Dinge wie Lesen oder Musik hören“, sagt Sievers.

Vor dem Beginn der Fastenzeit ging der erste Blick nach dem Aufstehen und der letzte vor dem Einschlafen auf das Smartphone. „Was die ganzen Informationen angeht, entsteht da schon eine gewisse Abhängigkeit“, sagt der Realschullehrer und Kreistagsabgeordnete der Liberalen. „Das muss man mit einem wachsamen Auge beobachten.“

Seit dem Beginn der Abstinenz wird er „immer wieder von Schülern angesprochen, die sich ein Leben ohne Facebook und den Verzicht darauf nicht vorstellen können“. Außerdem entdeckt er, dass sich das soziale Leben von vielen fast nur noch in sozialen Netzwerken abspielt. „Das habe ich nicht so extrem eingeschätzt.“

Noch vermisst er Facebook nicht, den Druck, ständig verfügbar zu sein. Einerseits. Andererseits merkt er es aber schon, dass er seit zwei Wochen nicht mehr online war. „Ich habe nicht mehr so viel Kontakt zu Leuten und bin auch nicht mehr so gut informiert wie vor dem Beginn der Fastenzeit“, sagt Sievers. Insbesondere wegen des Kontakts zu ehemaligen Schülern im Ausland, die häufig nur zu unterschiedlichen Zeiten erreichbar sind, schätzt er das Medium. „Aber: Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wir mit sozialen Medien in Zukunft gesund und maßvoll umgehen.“ Das versucht er auch den Schülern zu vermitteln, die ihn immer wieder auf sein Projekt ansprechen. Außerdem müsse man sich in diesem Zusammenhang verstärkt mit Suchtprävention beschäftigen. „Es ist eine Pseudowelt, über die wir sprechen.“

Sievers ist nicht allein mit seinem Projekt. Immer mehr Menschen verzichten neben Schokolade, Alkohol und Zigaretten auch auf soziale Medien. Ärzte sehen in der geplanten Auszeit einen Gewinn für die Gesundheit. „Medienfasten ist eine glänzende Idee, um gegen Reizüberflutung und chronischen Stress anzugehen“, sagt Eva Lischke, Vorsitzende der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung, in einem Interview. Süßes, Alkohol oder Tabak, Computer oder Internet – Angst vor Entzugserscheinungen müsse niemand haben. „Der Körper und der Stoffwechsel stellen sich sehr schnell auf die neuen Lebensweisen ein.“ Vielmehr könnte durch gezieltes Fasten sogar der Glückshormonhaushalt positiv beeinflusst werden.

Facebook hat in Deutschland etwa 28 Millionen Nutzer. Im Schnitt bleibt jeder Nutzer im Monat sechseinhalb Stunden auf der Plattform.

Nach der Fastenzeit will sich auch Sievers wieder anmelden. „Aber ich werde es anders sehen als vorher“, ist er sich sicher.