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Lachendorf Das Tierwohl liegt in der Hand von Torben Albs
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Das Tierwohl liegt in der Hand von Torben Albs
17:00 09.12.2018
Von Carsten Richter
Schutzkleidung tragen ist oberstes Gebot: Kuhställe sind der Arbeitsort von Torben Albs. Quelle: Carsten Richter
Bunkenburg

Hygiene ist das A und O bei Torben Albs. Ohne saubere Gummistiefel, ohne Handschuhe und Arbeitsanzug geht bei ihm gar nichts – Vorschriften wie in einem Krankenhaus. Albs macht Untersuchungen, stellt Befunde fest und berät bei Behandlungen. Er benutzt Pipetten und hat ein Ultraschallgerät. Doch sein Arbeitsort ist keine Klinik und keine Arztpraxis. Der 22-Jährige aus Bunkenburg ist ausgebildeter Landwirt – und einer von fünf selbstständigen Besamungsbeauftragten in Niedersachsen. Sein Einsatzort: landwirtschaftliche Betriebe. Er untersucht Säue und Kühe auf ihre Fruchtbarkeit, besamt sie künstlich und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Wohlergehen der Tiere, ohne die wiederum die Existenz der Höfe gefährdet wäre. Und: Albs ist nun frisch gebackener Landwirtschaftsmeister. Wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mitteilte, ist er in diesem Jahr der einzige Vertreter aus dem Kreis Celle, der von der Bezirksstelle Uelzen einen Meisterbrief überreicht bekommen hat.

Aufgaben sind nicht ohne Risiko

„Ohne praktizierte Nachhaltigkeit kann Landwirtschaft nicht bestehen“, hatte der Uelzener Kreislandwirt Torsten Riggert bei der Feierstunde für die neuen Meister gesagt. Nachhaltigkeit ist es auch, was die Arbeit von Torben Albs ausmacht. Dabei sind die künstlichen Besamungen nur ein Teil seiner Tätigkeit. Er hat sich in alternativer Medizin fortbilden lassen und darf nun den Tieren homöopathische Mittel verabreichen und Akupunkturen durchführen. „Viele Betriebe wollen eine zweite Meinung haben – als Alternative zur klassischen Schulmedizin“, erklärt der Bunkenburger. Mittlerweile hat er sich für seine Beratungen und Untersuchungen einen Kundenstamm aufgebaut, der über den Kreis Celle hinausreicht. Sogar im Osten Deutschlands betreut er Betriebe. Eine Aufgabe, die nicht ohne Risiko behaftet ist. „Wenn eine Kuh, die ich vorher untersucht habe, trächtig geschlachtet würde, bekäme ich eine Anzeige und müsste ein Bußgeld zahlen“, sagt Albs.

Gebärmutter ertasten

Doch der junge Fachmann weiß, worauf er achten muss. Der 22-Jährige ist an diesem Tag auf einem Milchviehbetrieb in Höfer. Er schlüpft in seinen dunkelgrünen Kittel und geht zunächst ins Büro. Dort liegt ein Zettel mit Zahlen. „Jede Kuh hat eine Nummer“, erklärt Albs. „Daran erkenne ich, welche Kühe ich heute untersuchen muss.“ Im Stall angekommen, macht er sich an die Arbeit. Für eine Besamung sind drei Arbeitsschritte nötig. Zunächst steht eine Voruntersuchung an. „Die Brunst einer Kuh tritt alle 21 Tage auf“, weiß der Landwirt. Um das festzustellen, tastet er sich mit seiner Hand durch den Darm ins Innere der Kuh vor – bis zur Gebärmutter. Geduldig lässt das etwa fünf Jahre Muttertier die Prozedur über sich ergehen. Indem er das Organ erfühlt, erkennt er, ob das Muttertier brünstig ist oder nicht. „Die Gebärmutter fühlt sich wie eine Orange an“, sagt Albs. Das bedeutet: Sie kann besamt werden. „Wenn keine Brunst vorhanden ist, ist die Gebärmutter vergleichbar mit einem wassergefüllten Luftballon.“

Die Besamung kann also beginnen. In einem Behälter mit flüssigem Stickstoff befinden sich mehrere Kanäle – darin werden die männlichen Spermien bei minus 198 Grad Gefriertemperatur aufbewahrt. Albs holt ein bestimmtes Röhrchen aus dem Behälter und steckt es in ein Auftaugerät. Das Wasser hat zwischen 37,5 und 38,5 Grad. Anschließend zieht Albs das Sperma in eine Pipette und hält es solange an seinem Körper warm, bis er es später über die Scheide in die Gebärmutter der Kuh einleitet.

Einfluss auf Zucht nehmen

Rund 20 Millionen Spermien sind in der Pipette. Was sich nach sehr viel anhört, ist wenig im Vergleich zu der Menge an Sperma, die ein ausgewachsener Bulle in sich trägt. Bis zu 800 Portionen kann ein Bulle durch einen Samenerguss produzieren. „80 bis 90 Prozent der Kälber in Deutschland kommen nach künstlicher Besamung zur Welt“, erklärt Albs. Die Betriebe können dadurch mehr Einfluss auf die Zucht nehmen. „Wenn beispielsweise die Gebärmutter entzündet ist, kann man nicht besamen“, sagt er. Auch Kühe mit einer Fehlstellung der Beine bekommen individuelles Sperma, damit sich der Defekt nicht auf die Jungtiere überträgt. Albs leistet damit auch einen Beitrag, um die Existenz der Landwirte zu sichern. Weniger Fruchtbarkeitsprobleme bedeutet schließlich einen geringeren Einsatz von Medikamenten.

Flexibler als viele Organisationen

Als Selbstständiger ist er Einzelkämpfer auf dem Gebiet. Gegenüber den zahlreichen Zuchtorganisationen ist er allerdings flexibler, was für ihn den Reiz seiner Arbeit ausmacht. „Wenn zum Beispiel eine Kuh um 6 Uhr morgens brünstig wird, sollte sie nach zwölf Stunden besamt werden. Ich kann das Tier individueller besamen als die Organisationen. Das trägt zum Wohl des Tieres bei“, sagt Albs.

Komplette Ausbildung absolviert

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat er früh gewagt. Aufgewachsen ist der Landwirt auf dem Hof der Familie in Bunkenburg. In dritter Generation führen seine Eltern einen Ackerbau- und Schweinemastbetrieb – da war sein beruflicher Werdegang vorbestimmt. Nach der dreijährigen Ausbildung zum Landwirt von 2012 bis 2015 hat er ein Jahr lang die Fachschule Agrarwirtschaft in Altenhagen besucht und danach in Uelzen die zweijährige Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister angehängt. „Ich wollte die komplette Ausbildung machen“, sagt er heute. Der Meistertitel, der gleichwertig mit einem Bachelor-Abschluss im Studiengang Agrarwissenschaften ist, berechtigt ihn, andere junge Landwirte auszubilden.

Doch Albs will zunächst seinen eingeschlagenen Weg als „Ein-Mann-Betrieb“ weitergehen. Schließlich hat er sich seine Qualifikationen durch zahlreiche Weiterbildungen mühsam erarbeitet. Inzwischen darf er auch ein Ultraschallgerät für seine Untersuchungen einsetzen.

Mehr als 1500 Kühe betreuen

Schon während seiner Ausbildung auf dem Hof Knoop in Altenhagen hat er erkannt, dass Zuchtorganisationen nur einmal am Tag kommen – zum optimalen Besamungszeitpunkt entweder zu früh oder zu spät. Also hat er sich im vergangenen Jahr zum Eigenbestandsbesamer fortgebildet. „Woanders durfte ich dann aber nicht aushelfen“, erklärt er. Also hat er zehn Wochen das Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere in Schönow bei Berlin besucht. Seitdem ist er Besamungsbeauftragter für Rinder und Schweine und darf Trächtigkeits- beziehungsweise Eierstockuntersuchungen durchführen. Dank einer schon 2015 absolvierten Fortbildung in alternativer Medizin hat er sich auch auf diesem Gebiet ein umfassendes Wissen angeeignet. Um Fruchtbarkeitsprobleme zu untersuchen zu dürfen, hat es lange Diskussionen mit dem Laves (Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) gegeben, weil ich ja kein Tierarzt bin“, sagt Albs rückblickend.

Heute weiß er, dass sich die Mühe und Geduld gelohnt haben. Zwölf Betriebe oder anders gesagt 1500 bis 1800 Kühe betreut er. Für Fragen des Tierschutzes und der Lebensmittelsicherheit ist er im ständigen Austausch mit Behörden und Tierärzten. Den elterlichen Hof in Bunkenburg übernehmen? Momentan ist das für den 22-Jährigen keine Option. Dabei denkt er vor allem an seine Kunden auf den Höfen, die sich an ihn und seine Arbeit gewöhnt haben. „Würde ich aufhören, müssten sie sich ganz neu orientieren.“

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