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Lachendorf Fledermauszählung mit Fangnetzen sorgt für Ärger in Lachendorf
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Fledermauszählung mit Fangnetzen sorgt für Ärger in Lachendorf
16:51 01.07.2017
Quelle: Bernd Wolter
Lachendorf

Der Ärger um den Wald zwischen Wiesenstraße und Baugebiet Südhang in Lachendorf reißt nicht ab. Zurzeit wird geprüft, ob auf der etwa 30 Hektar großen Fläche ein weiteres Baugebiet entstehen kann – zum Unmut vieler Lachendorfer. Bei den jüngsten Ratssitzungen hatten sich Dutzende Einwohner für einen Walderhalt stark gemacht. Nun könnte die Untersuchung eines Fachbüros den Kritikern neues Futter liefern.

Am Montagabend haben Mitarbeiter des Braunschweiger Fachbüros Biodata eine Fledermauszählung in dem Lachendorfer Wald für ein Gutachten durchgeführt. Dabei kamen neben Detektoren auch Fangnetze zum Einsatz. Diese sollen an drei Stellen über den Waldwegen gespannt gewesen sein, wie ein Lachendorfer Bürger der CZ sagte. Er möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen.

Die Fledermäuse können die feinmaschigen Netze nicht orten, sodass sie sich in ihnen verfangen. Die Gutachter können so die Arten der gefangenen Fledermäuse bestimmen, im Anschluss werden die Tiere wieder freigelassen. "Es ist nicht gewährleistet, dass die Tiere unverletzt bleiben", kritisierte der Lachendorfer. Die Brut- und Setzzeit reicht noch bis zum 15. Juli. Gerade wenn Muttertiere aufgrund von Fangverletzungen verenden würden, wäre "die Kinderstube gefährdet".

Der Beobachter wandte sich an Ratsherr Egbert Ehm (Unabhängige Bürger) und gemeinsam informierte man die Naturschutzbehörde des Landkreises. Fledermauszählungen mittels Netzfängen sind laut Landkreis nichts Ungewöhnliches, allerdings ist eine Genehmigung notwendig. Die hatte Biodata nicht. Das Fachbüro beruft sich auf eine Ausnahmeregelung des Bundesnaturschutzgesetzes, die "Handlungen zur Vorbereitung gesetzlich vorgeschriebener Prüfungen" erlaubt – schließlich hätten die Mitarbeiter die Untersuchung im Auftrag der Gemeinde für das geplante Baugebiet durchgeführt. "In Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wird noch geprüft, ob die Ausnahmeregelung in diesem Fall greift", teilte Landkreissprecherin Stefanie Meyer mit.

Der UB-Vorsitzende Ehm sprach von einem "mittleren Umweltskandal" und warf die Frage auf, inwieweit die Lachendorfer Verwaltung Kenntnis von der Untersuchungsmethode hatte. Das Fachbüro soll auch für das aktuelle Baugebiet "Am Immanuel-Kant-Gymnasium" Gutachten erstellt haben.

Verwaltungschef Jörg Warncke kann die Aufregung nicht nachvollziehen. "Biodata soll eine hochkompetente Spezialfirma sein", verteidigt er das Vorgehen. Die Gemeinde selbst hatte den Auftrag für ein Gutachten nicht direkt an Biodata vergeben; die Fäden für die Naturschutzprüfungen im Vorfeld der Bauleitplanung laufen bei Professor Thomas Kaiser und seiner Arbeitsgruppe Land & Wasser in Beedenbostel zusammen. Der Landschaftsarchitekt engagierte Biodata.

Die Fledermauszählung ist eine von vielen Voraussetzungen für die Erstellung eines Bebauungsplans. Der für ein Baugebiet ins Auge gefasste Wald an der Wiesenstraße sei "recht umfangreich", sagte Warncke. "Wenn es Hinweise auf Fledermäuse in dem Gebiet gibt, dann muss das untersucht werden. Ich will mir nicht vorwerfen lassen, das wir etwas nicht berücksichtigt hätten." Die Größenordnung des potenziellen Baugebiets sei dieses Mal eine andere, deshalb sei auch die Prüfung mit Fangnetzen neu. Einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz sieht Warncke nicht und verweist auf Kaisers Kompetenz: "Dass Professor Kaiser gegen den Naturschutz arbeitet, wäre völlig neu."

Kaiser bestätigt die korrekte Durchführung der Fledermauszählung in Lachendorf. "Die ganze Untersuchung dient dem Tierwohl und nicht dem Gegenteil", versichert der Beedenbosteler. Biodata habe sich an "bundesweit anerkannte Standards" gehalten. Ziel sei es, die verschiedenen Fledermausarten, die das Waldgebiet nutzen, zu bestimmen. Der Fang mit Netzen sei bei einem so großen Gebiet üblich: "Den Tieren passiert dabei nichts und sie werden sofort wieder freigelassen." Der Zeitpunkt sei bewusst in die Brutzeit gelegt worden, denn: "Nur so sehen wir, ob dort laktierende Weibchen fliegen und Nachwuchs in der Nähe ist."

Von Amelie Thiemann