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Lachendorf Gaststätte "Tannenkrug" wird geschlossen
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Gaststätte "Tannenkrug" wird geschlossen
15:51 07.12.2018
Von Carsten Richter
Bald wird sie im "Tannenkrug" das letzte Bier zapfen: Inhaberin Karin Taschenbrecher-Gierendt. Quelle: David Borghoff
Lachendorf

Die 25 Jahre als Inhaberin hätte sie gerne noch geschafft. Ein Vierteljahrhundert Chefin des „Tannenkrugs“, „das Jubiläum hätte Stil gehabt“, sagt Karin Taschenbrecher-Gierendt – und in ihrer Stimme schwingt viel Wehmut mit, wenn sie an die lange Zeit zurückdenkt. Denn mit dem Jahreswechsel ist Schluss: Mit der Schließung der Traditionsgaststätte endet am 31. Dezember in Lachendorf eine Ära von 143 Jahren. Seit 1875 bestand das Gasthaus an der Ackerstraße, es gehört zu den ältesten im Landkreis. In der fünften Generation hat Taschenbrecher-Gierendt den Betrieb geführt. Nach 18 Jahren gibt sie nun schweren Herzens auf – ihre Gesundheit lässt ihr keine Wahl.

Inhaberin hat ihr Leben hier verbracht

Die 52-Jährige ist von Kindheit an eng mit dem „Tannenkrug“ verbunden. „Ich habe mein Leben in dem Umfeld hier verbracht“, sagt sie. Schon im Alter von elf Jahren hat sie ausgeholfen, seit 1989 – noch unter Führung ihrer Eltern – arbeitet die Lachendorferin als Vollzeitkraft. Im Jahr 2000 hat sie schließlich mit ihrem Bruder die Gaststätte übernommen.

Familienbetrieb im besten Sinne

Der „Tannenkrug“ ist im besten und wahrsten Sinne ein Familienbetrieb. Denn die Art und Weise, wie er über die vielen Jahre hinweg geführt wurde, hat sich auf die Gäste übertragen. Eben familiär und persönlich, so lässt sich die Atmosphäre im „Tannenkrug“ am besten beschreiben.

Noch bis vor zwei Jahren war Ursula Taschenbrecher in der Gaststätte angestellt – da war sie bereits 80 Jahre alt. Auch das zeigt, wie sehr sich alle Generationen mit der Lokalität verbunden fühlen. „Ich kenne nichts anderes. Die Arbeit wird meiner Mutter und mir künftig schon fehlen“, sagt Taschenbrecher-Gierendt.

Viele Gäste haben Verständnis

Die meisten Gäste hätten mit Verständnis auf die Nachricht vom Ende des Traditionshauses reagiert, sagt sie – die Gesundheit gehe ja vor. Das sieht auch Lachendorfs Bürgermeister Hartmut Ostermann so. „Es ist die richtige Entscheidung.“ Gleichwohl ist er traurig über das Aus der Gaststätte. „Als Gemeinde bedauern wir das sehr, aber auch für die Familie ist das nicht leicht. Der ‚Tannenkrug‘ ist ihr Lebenswerk.“

Betrieb läuft bis Jahresende

Als „gemütlich, urig, bodenständig“ umschreibt Ostermann das Restaurant, das nicht nur viele Stammgäste hatte, sondern dessen Räumlichkeiten auch für andere Veranstaltungen genutzt wurden – und bis Jahresende auch noch genutzt werden. Bis dahin läuft der Betrieb ganz normal weiter. Für Taschenbrecher-Gierendt bedeutet das, dass sie zurzeit „mehrgleisig“ fahren muss. Einkauf, Büroarbeit, Familie – das kennt die zweifache Mutter nicht anders. Nun kommt aber hinzu, dass sie langsam aber sicher das Haus ausräumen muss, das bereits verkauft wurde.

Bei Flohmarkt wird Inventar verkauft

An den Wänden in der Gaststube hängen Familienfotos, die meisten Einrichtungsgegenstände sind Jahrzehnte alt. „Wir haben bewusst wenig verändert. Aber alles, was dringend renoviert werden musste, haben wir natürlich gemacht“, erzählt die Inhaberin. Wohin nun mit den vielen Erinnerungen? „Die Theke bleibt hier drinnen“, sagt Taschenbrecher-Gierendt mit fester Stimme. Anderes Inventar wird unter den Angestellten und der Familie aufgeteilt. Aber auch die Stammgäste und andere Interessenten sollen nicht leer ausgehen: In den ersten beiden Januarwochen werden in der dann ehemaligen Gaststätte im Rahmen eines Flohmarktes Gegenstände zum Verkauf angeboten.

Tagesbetreuung für Senioren

Wie es mit dem Gebäude weitergeht, steht indes schon fest. Künftig wird dort eine Tagesbetreuung für Senioren angeboten. „Wir wollen im Ortsmittelpunkt etwas für ältere Menschen tun“, sagt Ostermann. Der Bürgermeister ist froh, dass sich so schnell eine neue Nutzung gefunden hat. Auch Taschenbrecher-Gierendt ist dankbar zu wissen, wie es weitergeht. Und sie selbst? Sie will sich erstmal auf sich konzentrieren – ihrer Gesundheit zuliebe. „Ich mag ja den Stress“, sagt die 52-Jährige, „aber ich darf ihn nicht haben“.

Nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb: Die "Generations" aus Lachendorf haben es erneut in ein Finale geschafft.

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