Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lachendorf Kein Netz - kein grüner Strom
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Kein Netz - kein grüner Strom
18:10 17.02.2012
Energiegewinnung im Landkreis Celle soll koordiniert werden. Quelle: Tore Harmening
Lachendorf

Neue Energien will das Land und wollen vor allem die politischen Gremien im Landkreis. Was fehlt? Ein ganzheitliches Energiekonzept. Das kritisiert Jörg Warncke, Bürgermeister der Samtgemeinde Lachendorf. „Alle wollen erneuerbare Energien“, sagt er. „Aber wohin damit?“

Hintergrund: „Wir können den Strom nicht allein verbrauchen“, bemängelt er. Die Samtgemeinde Lachendorf produziert zweieinhalb mal so viel Strom, wie genutzt wird. „Der Strom muss nach Süden. Wir müssen in Deutschland gigantische Trassen bauen - und es ist keine einzige fertig.“

Bei der Samtgemeindeverwaltung liegen derzeit Anträge für zwölf Windkraftanlagen in Ahnsbeck, fünf für Eldingen. Außerdem könnten Warncke zufolge die fünf kleinen Windräder in Beedenbostel eine Aufrüstung vertragen, im Fachjargon Repowering genannt.

Konfrontiert mit dem Problem fehlender Trassen sehen sich die Stromversorger RWE und Eon. Beide beklagten in dieser Woche Verzögerungen beim Ausbau der Höchstspannungsnetze durch den Betreiber Tennet. Mike Winkel, Chef der Sparte „Climate & Renewables“ bei Eon, sprach der Berliner Zeitung gegenüber von bis zu 15 Monaten Verzögerung beim Anschluss des Offshore Windparks Amrumbank West. Hans Bünting, Finanzchef der RWE-Ökostromsparte, kündigte dem Weser Kurier gegenüber sogar an, ohne Rechtssicherheit beim Anschluss keine Bauentscheidung für den nächsten Windpark zu treffen.

So richtig weit kommt der Strom manchmal gar nicht. Carsten Lehmann, Ingenieur für Versorgungstechnik bei der SVO, kann den Weg des Stromes nachzeichnen. „Physikalisch verteilt er sich von ganz allein.“ Die Energie wird also nicht gesammelt und gemischt, wie die Debatte um einen „Strommix“ andeutet. Ganz anschaulich anhand von Photovoltaikanlagen (PV in der Sprache der Techniker) erläutert: „Wenn Sie in einer Straße mit viel PV wohnen nutzen Sie bei Sonnenschein vielleicht wirklich nur eigenen Strom.“ Problem: Die Sonne scheint nicht immer, der Wind weht nicht immer. Die Zusammensetzung des Stromes ist daher „in jeder Sekunde anders“.

Überschüssige Energie kommt über Umspannwerke in das Versorgungsnetz von Eon Avacon. Deren Sprecher Ralph Montag sagt: „Zu jedem Zeitpunkt muss genauso viel Energie erzeugt wie verbraucht werden.“ Scheint die Sonne und weht der Wind und verbrauchen die Menschen wenig Energie, muss an anderer Stelle weniger produziert werden - dann werden zum Beispiel im Ruhrgebiet Kohlekraftwerke heruntergefahren, erläutert Montag. Die bestehenden Höchstspannungsleitungen werden schon bald nicht mehr ausreichen, gegebenenfalls müssen dann auch Windräder „aus dem Wind gedreht“ werden - ein Szenario, das auch den Lachendorfer Windrädern drohen kann. Montag: „In Niedersachsen passiert das bislang nur sehr selten.“

Der Strommix auf der Rechnung ist folglich ein Spiegel der Erzeugungsart, die der Kunde vom Stromanbieter haben will. Tatsächlich kann auch ein Verfechter fossiler Brennstoffe nicht verhindern, dass seine Küche bei Sturm mit Energie vom benachbarten Windrad beleuchtet wird. Isabell Prophet

Von Isabell Prophet