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Lachendorf Lachendorf: Die Papierfabrik gehört einfach dazu
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Lachendorf: Die Papierfabrik gehört einfach dazu
14:01 03.07.2014
„Urgestein“ - Jörn Deecke - vor seinem - Geburtshaus in - Lachendorf. Quelle: Benjamin Westhoff (7)
Lachendorf

Die Dorferkundungstour mit „Urgestein“ Jörn Deecke beginnt in seinem Wohnzimmer. Wo jetzt ein gemütliches Sofa steht, erblickte er vor 72 Jahren das Licht von Lachendorf. Als leidenschaftlicher Ahnenforscher weiß Deecke sogar besser als manch anderer, wo seine Wurzeln liegen. Die Daten für seine Stammbäume hat er aus dem „genealogischen Nachlass“ seines Onkels, aus Archiven, Kirchenbüchern und Gesprächen mit den Ortsbewohnern. Aus seiner Ahnendatei erfuhr er, dass fast alle Einwohner vor 1945 gemeinsame Vorfahren hatten.

Doch Deecke weiß auch über die Geschichte Lachendorfs bestens Bescheid. Auf einer alten Karte zeigt er die Besiedlung von Lachendorf vor 1859. Deutlich zu erkennen: Südlich der Ackerstraße „gab es früher nichts“, nur Acker, wie der Name der Straße schon sagt. Der erste Weg führt uns in genau diese Straße. In der Vergangenheit hat sich hier einiges getan. Die frühere Ackerfläche ist dicht besiedelt, die Straße erneuert, ein Gesundheitszentrum und vielseitige Einkaufsmöglichkeiten sind entstanden. „Da fehlt manchmal der dörfliche, staubige Charme von früher“, sagt Deecke. Da wo noch vor einigen Jahren der alte Park von Christa Peters war, kann man nun bei Rossmann, Aldi und Kik einkaufen.

Einschneidend für beide Orte war nach 1945 die Zentralitätsverlagerung von Beedenbostel nach Lachendorf, „ein höchst seltener Vorgang“, laut Deecke. Mit diesem Thema hatte er sich schon 1973 im Rahmen seiner Examensarbeit beschäftigt, als er nach der landwirtschaftlichen Lehre ein Pädagogikstudium absolvierte und Lehrer an der Realschule Lachendorf wurde. Eine „zentrale Einrichtung“ in Beedenbostel, die Apotheke Boes, erkannte die größeren Möglichkeiten im zukünftigen Zentrum Lachendorfs, schloss 1966 dort den Betrieb und eröffnete hier neu.

Was für Deecke ebenfalls unabdingbar zum Dorf gehört, ist die Papierfabrik. Groß und etwas klotzig steht sie auf dem Grund, auf dem früher einmal mehrere Bauernhöfe ansässig waren. Im Jahre 1538 wählte Herzog Ernst der Bekenner Lachendorf als Standort für seine Papiermühle, 1845 begann der Ausbau der Mühle zur Papierfabrik. „Viele hadern mit der Fabrik, weil sie optisch nicht ins Dorf passe. Ich hänge an dem Laden, obwohl ich eigentlich nichts damit zu tun habe“, sagt Deecke. Immerhin verkaufe die Fabrik weltweit ihre Spezialpapiere, sei Hauptarbeitgeber und -steuerzahler, und damit von großer Bedeutung für die Gemeinde.

„Lachendorf ist ein sehr dynamisches Dorf, das sich unheimlich entwickelt und wohl alle wichtigen Einrichtungen eines Ortes dieser Größe hat“, meint unser Urgestein. Wenn er durch die Straßen geht, erinnert er sich an die Höfe, die früher dort gestanden haben, an den alten Dorfladen, in dem er sich als Kind Bonbons für zehn Pfennig gekauft hat, und an die Volksschule, die nur zwei Klassenräume hatte. Obwohl sich viel verändert hat, fühlt sich Jörn Deecke mit seiner Frau in Lachendorf vollkommen wohl. „Das Schöne an einem Dorf ist die Übersichtlichkeit und dass man so viele Leute kennt“, meint er.

Johanna Hasse

Von Johanna Hasse