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Lachendorf Lachendorfer Karsten Koch kennt das Wetter
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19:26 10.03.2015
Jeden Tag prüft Karsten Koch, ob es geregnet hat. Wenn sich Flüssigkeit in der Kanne gesammelt hat, misst er die Menge genau ab.  Quelle: Alex Sorokin
Lachendorf

Seit über 35 Jahren hat Karsten Koch das Wetter in Lachendorf genau im Blick. Jeden Morgen steht der 75-Jährige auf, knipst seinen Laptop an, geht in den Garten und misst pünktlich um 6.50 Uhr den Niederschlag der vergangenen 24 Stunden. Anschließend übermittelt der ehrenamtliche Beobachter die Werte dem Deutschen Wetterdienst.

"Das ist nicht viel Aufwand", sagt er. Heute geht das übers Internet. Als Startseite seines Browsers hat er sich die Seite des Wetterdienstes eingespeichert. Dort meldet er sich an und tippt seine Messungen ein. "Früher hatte ich ein Wetterbuch", sagt er. Darin hat er die Daten notiert, monatlich auf einen Zettel übertragen und per Post an den Wetterdienst geschickt.

Koch macht seine Aufgabe Spaß. "Ich war schon immer am Wetter interessiert", sagt er. Und als Landwirt war der Regen für ihn von großer Bedeutung. Bereits vor seiner Tätigkeit beim Wetterdienst hat er im Sommer jeden Tag ermittelt, wie viel Regen auf die Erde gefallen ist. Denn danach richtet sich die Beregnung der Felder.

Deshalb hat der Lachendorfer auch gerne die Stelle beim Wetterdienst angenommen. Für die Messungen hat er einen sogenannten Hellmann-Behälter hinter seinem Haus stehen. Jeden Morgen prüft er, ob sich darin Niederschlag gesammelt hat. Er nimmt den Trichter ab und holt die darunterstehende Kanne heraus. Dann kippt er das gesammelte Wasser in einen Messzylinder. Ein Wasserstand von einem Millimeter bedeutet, dass ein Liter pro Quadratmeter gefallen ist.

Über die Jahre hat Koch ein Gespür für das Wetter entwickelt. Er gibt keine Prognosen ab, aber kann gut einschätzen, in welche Richtung sich die Wetterlage entwickeln kann. Oft wird er auch gefragt, wie das Wetter in letzter Zeit so war - er ist bekannt für sein Hobby. Die Daten gibt aber nur der Wetterdienst heraus. Früher musste er noch notieren, wann es geregnet hat. Heute sehen die Experten das anhand von Satellitenaufnahmen, die auch Koch gerne studiert.

Weiter angeben muss er aber, welche Art von Niederschlag er im Behälter vorgefunden hat. Denn auch Hagel und Schnee sammeln sich darin. Diesen lässt er dann im Haus schmelzen, um die gesamte Flüssigkeit abzumessen. "Dann stelle ich meinen zweiten Hellmann-Behälter raus", sagt er, denn die 24-Stunden-Messung soll nicht unterbrochen werden.

"Die ehrenamtlichen Beobachter sind ungeheuer wichtig für uns", sagt Jörg Deuber vom Deutschen Wetterdienst. In Niedersachsen und Bremen gibt es rund 250 nebenamtliche Stationen. Des Weiteren gibt es eine ähnliche Anzahl an automatischen Messpunkten. Doch den Menschen können diese nicht ganz ersetzen.

Deshalb ist es auch wichtig, dass die Beobachter im Urlaub vertreten werden. Auch Koch hat Unterstützer: "Wenn ich nicht da bin, macht das mein Nachbar oder meine Tochter, die übernimmt das gerne für mich."

Von Johanna Müller