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Lachendorf Landwirt Wilhelm Alps aus Gockenholz kann Äpfel auch im Winter knackig halten
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Landwirt Wilhelm Alps aus Gockenholz kann Äpfel auch im Winter knackig halten
13:58 15.12.2017
Quelle: Lothar H. Bluhm
Gockenholz

Landwirt Wilhelm Alps aus Gockenholz sorgt für Regionalität. Er kann auch jetzt und bis ins Frühjahr hinein noch knackig frische Äpfel liefern: Er beherrscht die Lagerung seines Beeren-, Stein- und Kernobstes genau. „Beeren- und Steinobst lässt sich etwa vier Wochen lagern, Äpfel und Birnen sind länger lagerfähig – je nach Sorte und Lagerungsmethode“, sagt Alps.

2004 hat der Landwirt zu seinem traditionellen Ackerbaubetrieb eine Beeren- und Obstplantage aufgebaut. Auf insgesamt 22 Hektar wachsen beispielsweise Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren und Brombeeren, Kirschen, Zwetschen und Mirabellen, aber eben auch Äpfel.

Elstar, Gala, Wellant und Topaz sind die Sorten, die Alps in Gockenholz bei konstanten 1,3 bis 1,5 Grad in den großen Hallen einlagert. Er hat Kapazitäten für insgesamt 90 Tonnen. „Die Kälte reduziert den Stoffwechsel der geernteten Ware. So kann ich die Fruchtqualität der Äpfel erhalten“, sagt Alps. Zusätzlich kann er in zwei Speziallagern eine besondere Atmosphäre für das Obst schaffen: „Das ist die 'controlled atmosphere', auch CA-Lagerung genannt. Sie entsteht durch Verringerung des Sauerstoffgehaltes auf 1,3 Prozent.“ Normalerweise beträgt der Sauerstoffanteil der Luft 21 Prozent. „Aber durch die Reduzierung des Sauerstoffgehalts kann ich den Alterungsprozess des Obstes erheblich verlangsamen.“

Ein computergesteuerter Stickstoffseparator trennt die Luft: Sauerstoff raus und Stickstoff rein. „Sensoren messen permanent die Temperatur und den Sauerstoffgehalt in der hermetisch abgeriegelten Hallenluft.“ Ein stabiles Vorhängeschloss am Hallentor verhindert den unbefugten Zugriff auf die 150 Kubikmeter große CA-Lagerkammer, in der die Äpfel in den großen Holzboxen auf Paletten aufbewahrt werden. Trotz der computergesteuerten Anlage ist eine regelmäßige zusätzliche Kontrolle des Sauerstoffgehaltes mit dem Oxygen-Analyser und der Temperatur per herkömmlichem Thermometer unumgänglich. Mögliche defekte Sensoren und dadurch falsche Werte könnten die Äpfel in der Kammer verderben. „Wenn ich Äpfel ausliefern möchte, muss ich am Abend vorher die Luft austauschen, damit normale Atmosphäre entsteht.“

Für Computertechnolgie und Isolierung sowie Herrichtung der beiden Spezialkammern für insgesamt 60 Tonnen Obst hat Alps vor drei Jahren rund 100.000 Euro in die Hand genommen. „Geld, das erforderlich war, damit jetzt zur Weihnachtszeit und bis ins Frühjahr noch frische Äpfel auf dem Markt sind“, steht für Alps fest, der sich dem Beratungsring der Obstbauvereinigung Altes Land angeschlossen hat. In Jork-Moorende arbeitet die Obstbauversuchsanstalt als Kompetenzzentrum für Praxis und Theorie des Obstbaus. Da steht die Beratung im Vordergrund, denn immerhin ist das Alte Land als das größte geschlossene Obstanbaugebiet Nordeuropas Welterbe der Unesco. Dort werden Obstbaubetriebe, Vermarktungsorganisationen, Händler, Entwickler und Zulieferer von Obstbau- und Lagertechnik beraten. Die wissenschaftliche Forschung für integrierten und ökologischen Obstanbau ist ein weiterer Themenschwerpunkt. „Da gibt es wertvolle Tipps, die mir sehr helfen“, sagt Alps.

Von Lothar H. Bluhm