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Lachendorf Landwirt informiert über in Bunkenburg umstrittenen Schweinestall
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Landwirt informiert über in Bunkenburg umstrittenen Schweinestall
19:35 27.10.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Der geplante Stall des Landwirtes Frank Trumann sorgt in Bunkenburgfür hitzige Diskussionen. Vor allem die Geruchsbelästigung und der Wertverlustder Grundstücke ist den Anwohnern ein Dorn im Auge. Quelle: Alex Sorokin
Bunkenburg

"Hier prallen zwei Interessengebiete aufeinander", sagt Bürger Frank Oppermann. "Man kann dem Landwirt ja auch nicht übel nehmen, dass er sich entwickeln möchte." Am Donnerstagabend kamen 70 Interessierte zu der Info-Veranstaltung, zu der Trumann eingeladen hatte. Es gab großen Diskussionsbedarf, die Fragen prasselten nur so auf den Landwirt ein.

Nicole Stoltmann lag unter anderem die Frage nach dem Tierwohl sehr am Herzen. Sie hält selbst seit einem Jahr zwei Schweine. "Die Tiere sind sehr sozial und intelligenter als meine Hunde", erzählte sie. Die Bunkenburgerin glaubt, dass bereits ein Umdenken in der Gesellschaft stattgefunden habe und immer mehr auf Bio-Produkte oder gar kein Fleisch setzen würden. Für Trumanns Schweinestall sehe sie daher kaum Zukunft.

Einem Großteil der Anwesenden war vor allem das Thema Geruch ein Dorn im Auge. "Es ist uns wichtig klar zu machen, dass uns das stinkt", sagte Annette Urbanke, nachdem sie Trumann für seinen Mut, dem Dorf Rede und Antwort zu stehen, gelobt hatte. Die Bunkenburgerin Anna Hinrichs fragte Trumann konkret: "Haben Sie vor, eine Filteranlage zu bauen?" Denn in dem bisherigen Antrag stünde eine solche Anlage, die etwa 85 bis 90 Prozent der Geruchsemission sowie des Ammoniakgehaltes filtere, nicht drin.

Daher wünschten sich Hinrichs und viele der Anwesenden eine rechtlich bindende Verpflichtung des Landwirtes, eine Filteranlage zu bauen. "Wer sagt mir denn sonst, dass sie am Ende nicht doch keine bauen, um die Kosten niedrig zu halten", so Hinrichs. Trumann zeigte sich offen und versicherte, dass er vorhabe eine Abluftreinigung zu bauen. "Ich werde die 80.000 Euro allein schon deshalb investieren, damit ich die Akzeptanz in Bunkenburg habe", sagte der Landwirt.

Kritiker fürchten ein weiteres Problem. "Das ganze Dorf hat mit einem Imageproblem zu kämpfen, wenn es von landwirtschaftlichen Großtierhaltungsbetrieben eingekreist ist", sagt Jörg Oppermann. Dadurch würden auch die Immobilienpreise sinken und die Bunkenburger somit das in Grundstücke investierte Geld verlieren.

Landwirt Trumann hatte vor einem Jahr den Beschluss gefasst, auf dem Ende 2014 erworbenen Flurstück bei Jarnsen einen Schweinestall zu bauen. "Mir war von Anfang an klar, dass der Standort im westlichen Teil Bunkenburgs nicht ganz unproblematisch ist", sagte Trumann. Doch ihm bliebe keine andere Wahl, wenn er sein Geld in die Mastzucht investieren möchte. "Glauben Sie mir, dass ist nicht unbedingt mein Traumstandort. Aber ich habe keine andere Möglichkeit", erklärte er. Alle anderen potentiellen Grundstücke lägen zum Teil zu nah an Wäldern und fielen somit aus rechtlichen Gründen weg.

Also reichte er beim Landkreis einen Bauantrag für einen Stall mit 1486 Mastplätzen ein, "wie es ihn bereits hundertfach in Deutschland gibt". "Die benötigten Gutachten haben wir bisher weder gemacht noch eingereicht. Momentan ist es also nicht mehr als ein Antrag", so Trumann. Auch die Finanzierung – es kämen mindestens Kosten in Höhe von 700.000 Euro auf ihn zu – stehe noch nicht fest. "Wir reden hier über ungelegte Eier. Wenn das Emissionsgutachten nicht durchkommt, ist das Ding gestorben."

Laut den Rechnungen des Landwirtes sei bei dem geplanten Standort mit einer jährlichen Fahrzeugbewegung von etwa 180 Kraftfahrzeugen zu rechnen. Die Gülle gehe zu 100 Prozent in die Biogasanlage.

Am Ende des Abends versprach Trumann, sobald er den Antrag mit der Ergänzung der Filteranlage geändert habe, zu einer erneuten Info-Veranstaltung einzuladen. "Ich hoffe, Ihnen ist klar geworden, dass ich mit offenen Karten spiele. Was ich Ihnen versprochen habe, das halte ich auch." (als)

Meinung Maren Schulze - Landleben

Ein Bunkenburger bringt es auf den Punkt: „Man kann es dem Landwirt nicht übel nehmen, dass er sich entwickeln möchte.“ Genau so ist es. Natürlich tut es der Dorfgemeinschaft gut, wenn bei Planungen zur Erweiterung Transparenz herrscht. Eben weil auch die Öffentlichkeit von einem solchen Vorhaben betroffen ist. Diesem Wunsch ist der Landwirt nachgekommen. Und er beteuert, die Bürger weiter informieren zu wollen. Das ist aller Ehren wert. Denn die Bunkenburger bringen einerseits nachvollziehbare Argumente gegen den geplanten Stall vor. Neben der Geruchsbelästigung fürchten sie Wertverlust ihrer Grundstücke. Zu Recht machen sie sich darüber Gedanken. Doch sie sollten auch realistisch bleiben: Sie leben auf dem Land. Und Landwirtschaft und Tierhaltung gehören zum Landleben. Über die Form kann man überzeugungshalber streiten. Ob der Landwirt auf „Bio“ umsteigt, bleibt aber seine Sache. Wenn einige argumentieren, die Deutschen würden weniger Schweinefleisch essen und wenn, dann „Bio“, mag es ein wünschenswerter Trend sein. Realität ist dies jedoch nicht. Weder auf den Tellern der Verbraucher noch in deren Portemonnaies.