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Lachendorf Mit Spürnase auf Menschensuche
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18:23 19.04.2013
Jenniffer Dehnings Dalmatiner-Hündin Caya hat den „Vermissten“ gefunden, Sanitäter Jörg Jäckel übernimmt die Erstversorgung. Immer wieder wird im Training der DRK-Rettungs­hundestaffel Peine der Ernstfall geübt. Quelle: Joachim Gries
Lachendorf

Caya bellt. Die vierjährige Dalmatiner-Hündin hat den Vermissten gefunden. Sekunden später sind auch die Sanitäter vom DRK vor Ort. Während Jörg Jäckel den Mann neben den Gleisen anspricht und mit der Erstversorgung beginnt, lobt Jenniffer Dehning ihre Hündin, die sich ein paar Meter entfernt hinlegt und auf eine Belohnung wartet. Das ist Teamarbeit.

Seit 2009 ist Dehning bei der DRK Rettungshundestaffel Peine dabei. Im vergangenen Monat hat die 36-Jährige mit Caya nach dreijähriger Ausbildung erfolgreich die Prüfung abgelegt und gezeigt, dass sie als Team gut zusammenarbeiten. Zweimal in der Woche trainiert die Hundestaffel, donnerstagabends zwei bis drei Stunden und sonntags von 10 bis 16 oder 17 Uhr. Da Dehning und Jäckel sowie die Dalmatiner-Hündin Caya und Golden Retriever-Hündin Lilly aus Lachendorf stammen, finden auch im Celler Raum Trainingsstunden statt.

Die Rettungshundestaffel Peine wurde 1989 gegründet, neun Hundeführer mit zehn Hunden gehören ihr an, vier Teams haben inzwischen die Prüfung abgelegt. Regional zuständig ist die Staffel für die Landkreise Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter, Hildesheim und Gifhorn sowie einen Teil des Landkreises Celle. Durchschnittlich 14 Einsätze pro Jahr gibt es nach Angaben von Staffelleiter Heiko Theis, in der Regel fordert die Polizei die Rettungshundestaffel an. Gesucht werden ausschließlich Menschen, orientierungslose, demente Personen, Kinder, Pilzsucher, die sich verlaufen haben, verletzte Waldarbeiter oder Jogger, die sich nicht mehr bewegen können und nicht wissen, wo sie sind.

Sie zu finden, müssen Mensch und Tier gleichermaßen lernen. Bevor die Ausbildung startet, müssen die Hunde zeigen, dass sie mit Menschen, aber auch mit Feuer, Rauch und Geräuschen klarkommen. Die Vierbeiner dürfen nicht aggressiv oder ängstlich sein. Im Grunde eignet sich jede Rasse, sie darf nur nicht zu schwer sein, denn die Hundeführer müssen ihre Hunde auch tragen oder über einen Zaum heben können. Dazu muss sich der Hund auch von anderen Personen anfassen lassen.

Der Hund muss gut motivierbar sein. „Er muss alle Menschen toll finden“, sagt Theis. Im Training versteckt sich ein Helfer. Der Hund läuft ohne Leine, er sucht nicht nach Fährten, sondern versucht, Witterung von Menschen aufzunehmen. Findet er den „Vermissten“, muss er seinen Sucherfolg durch Bellen anzeigen, damit der Hundeführer auch im unwegsamen Gelände zur Fundstelle kommt. Im Training wird die Distanz ständig vergrößert, der Hundeführer muss durch Kommandos den Vierbeiner auf der abzusuchenden Fläche halten.

Der Hund trägt bei der Suche eine Kenndecke. Das Rote Kreuz soll dem Vermissten signalisieren, dass Rettung naht. Ein Glöckchen und bei Dunkelheit ein Signallicht verrät dem Hundeführer, wo sein Vierbeiner ist.

Bei der ersten Prüfung darf der Hund nicht älter als sechs Jahre sein, Hund und Mensch müssen die Prüfung alle 18 Monate wiederholen. Und die Aufgaben fordern beide gleichermaßen. Während der Mensch Wissen in Suchtaktik, Hundekunde und Erste Hilfe - auch am Hund - nachweisen muss, ist der Hund beim Gehorsamstest und vor allem bei der Suche auf einem 100 mal 300 Meter großen Gelände gefordert: Innerhalb von 20 Minuten muss er zwei Personen finden.

Im Ernstfall geht für den Sanitäter die Arbeit dann erst richtig los. Er muss bei Verletzungen Hilfe leisten und per Funk weitere Helfer oder weitere Rettungsmittel an den richtigen Ort lotsen.

Joachim Gries

Von Joachim Gries