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Lachendorf Stiftung spendiert in Lachendorf Wohnraum
Celler Land Samtgemeinde Lachendorf Lachendorf Stiftung spendiert in Lachendorf Wohnraum
16:28 27.03.2015
Lachendorf

Bis zu fünf Wohnhäuser für die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern will die Gustav-und-Catharina-Schürfeld-Stiftung in Lachendorf zur Verfügung stellen. Das erste Haus soll im April bezugsfertig sein, das zweite voraussichtlich im Herbst. Mit diesem Angebot überraschten Petra und Jens Schürfeld die Zuhörer in der Sitzung des Sozialausschusses der Samtgemeinde Lachendorf in dieser Woche. Die Vertreter von Politik und Verwaltung waren vorab in die Pläne der Stiftung eingeweiht worden.

Die Sitzung des Sozialauschusses befasste sich mit der Unterbringung von Asylbewerbern in der Samtgemeinde, mit ihrer Verteilung auf die Mitgliedsgemeinden und mit den Herausforderungen, die die Kommune bei der Zuweisung weiterer Flüchtlinge stemmen muss. Aktuell leben in der Samtgemeinde 65 Asylbewerber, 31 Erwachsene und 34 Kinder. Eigentlich sollen sie nach dem Einwohnerschlüssel auf die Mitgliedsgemeinden verteilt werden, tatsächlich leben aber 24 Asylbewerber in Hohne, weil dort der meiste Wohnraum angeboten wird, je zwölf sind in Ahnsbeck und Beedenbostel untergekommen, elf in Eldingen. In Lachendorf wohnen zurzeit sechs Asylbewerber.

Die meisten Asylsuchenden kommen aus Serbien (19), Bosnien-Herzegowina (7), Georgien und Libanon (je 6). Aus den aktellen Krisenstaaten Syrien und Ukraine hat es fünf und drei Personen in die Samtgemeinde verschlagen. Bei 30 Personen läuft das Asylverfahren, 35 haben ihre Ablehnung erhalten und sind zur Ausreise verpflichtet. Menschen, die keiner staatlichen Verfolgung ausgesetzt seien, deren Verfahren deshalb abgelehnt worden seien, die aber nicht ausreisen, würden die Wohnungen für neue Asylbewerber blockieren, sagte Samtgemeindebürgermeister Jörg Warncke. Dass Menschen ein besseres Leben wünschten und deshalb nach Deutschland kämen, sei menschlich nachvollziehbar und verständlich. "Wir würden es genauso machen", sagte der Verwaltungschef. Es löse aber nicht die Probleme und erschwere die Situation für Bürgerkriegsflüchtlinge.

Genau auf die zielt das Angebot der Schürfeld-Stiftung ab. Das erste voll ausgestattete Haus bietet sechs Personen Platz. Familien mit Kindern, die vor dem Krieg geflohen sind, soll dort ein neuer Start ermöglicht werden. Nach zwei bis drei Jahren sollen sie wieder auf eigenen Füßen stehen. Im Rahmen eines noch zu gründenden Vereins sollen sie einer Tätigkeit nachgehen und so ihre Integration erleichtern. Weitere Ideen sehen die Gründung einer Fahrradwerkstatt vor oder ein gemeinsames Kochen mit Landfrauen.

"Wenn eine Familie vorher ausgewiesen wird, wäre das traurig", sagte Jens Schürfeld. Das Projekt sei auf Langfristigkeit angelegt. Die beiden ersten Häuser sollen zeigen, ob sich die Erwartungen erfüllen. Nur mit Geld könne so ein Projekt nicht leben. Angedacht sei, dass sich auch die Auszubildenden der Schürfeld-Gruppe, zu der die Lachendorfer Papierfabrik gehört, engagieren und Gärten anlegen oder Möbel zusammenbauen.

Der Vorstoß der Stiftung fand im Ausschuss große Zustimmung. "Wir haben erkannt, was hier vor Ort wichtig ist", zog Ausschuss-Vorsitzender Erhard Thölke (SPD) als Resümee der Debatte, in der auch berichtet worden war, wie Kindergarten und Schule mit Kindern von Asylbewerbern umgehen. Das Thema werde auf der Tagesordnung bleiben, sagte Thölke. Wichtig sei, weitere Ehrenamtliche zu finden, die die Verwaltung bei der Integration der Flüchtlinge unterstützen. Ähnlich hatte es zuvor auch Hartmut Ostermann (CDU) formuliert. Alle gesellschaftlichen Schichten, Vereine und Institutionen müssten in dieser Frage an einen runden Tisch kommen.

Von Joachim Gries