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17:53 06.08.2010
Schultz entwickelt neues Gerät Quelle: Lothar H. Bluhm
Großmoor

„Es ist auf einem sehr guten Weg“, sind sich Barbara und Arthur Schultz sicher: Immerhin gehe das 2,2-Millionen-Euro-Projekt jetzt in die zweite Phase. Die beiden Mediziner entwickeln gemeinsam mit einer Kernmannschaft aus sieben hoch qualifizierten Mitarbeitern, Mathematikern, Medizintechnikern und Elektronikern ein sensibles mikrotechnologisches Messgerät im Handyformat, mit dem die Schlaftiefe während einer Narkose aufgezeichnet werden kann.

Das Besondere ist, dass sich durch die sekundengenaue Dar-stellung in Echtzeit die Dosierung direkt korrigieren lässt. „Häufig benötigen die Patienten gar nicht so viel Narkosemittel wie verabreicht wird“, stellt Privatdozent Dr. Dr. Arthur Schultz nach seinen bisherigen Untersuchungen fest. So könne die Belastung der Patienten durch eine genauere Narkose erheblich reduziert werden.

Seit 2008 entwickelt der Mediziner und Informatiker Schultz gemeinsam mit seiner Frau, der Medizinerin Barbara Schultz, einen Chip, der ge-nau die geforderten Aufgaben übernimmt. Dieses innovative Projekt mit einem Volumen von rund 2,2 Millionen Euro wird über drei Jahre aus EFRE-Mitteln der Europäischen Union und Geldern des Landes Niedersachsen gefördert. „Die niedersächsische NBank hat unsere Idee geprüft, begutachten lassen und als beispielhaft mit einem positiven Ergebnis beurteilt“, freut sich Schultz über die gute Kooperation.

Das System „Narcotrend“, das vor zehn Jahren vorgestellt wurde, ist inzwischen in rund 400 deutschen Kliniken im Einsatz. Schultz: „Die Zulassung in den USA wurde bereits erteilt und in China ist gerade in der Anästhesieabteilung des EXPO-Krankenhauses Ruijin-Hospital in Shanghai ein Schulungszentrum für Narkoseärzte eingerichtet worden.“

Eine Studie mit Prototypen in 46 Kliniken belegt klar, dass sich Narkosen besser steuern lassen, wenn die Schlafphasen der Patienten genau beobachtet werden. Dazu dient das Elektroenzephalogramm (EEG). Es wird in Echtzeit von dem Gerät ausgewertet, das die Anästhesisten Schultz kliniknah im

Oststadtkrankenhaus und in

der Medizinischen Hochschule Han-nover entwickelt haben. „Die EEG-Signale sind ziemlich komplex und müssen genau interpretiert werden“, betont die Privatdozentin Schultz und weist auf eine beabsichtigte Studie bei 10000 Patienten in deutschen und chinesischen Kliniken hin. Der Startschuss für die Studie erfolgt im September beim chinesischen Anästhesistenkongress in Peking. „Das gibt eine Unmenge von Daten, die ausgewertet werden müssen.“ In der bereits abgeschlossenen Studie mit 46 Prototypen zeigte sich, dass Narkosemittel individuell altersgerecht und geschlechtsspezifisch mit dem Narcotrend-Verfahren dosiert werden können. Ein Ergebnis war, dass Frauen mehr Narkosemittel als Männer benötigen und trotzdem früher aus der Narkose aufwachen.

Mit der geplanten neuen Studie sollen nun auch ethnische Unterschiede zwischen chinesischen und deutschen Patienten zum Narkosemittelbedarf untersucht werden. Die mikrotechnologische Entwicklung sei derzeit noch im Gang, schon jetzt sei sie aber ein Sprungbrett in die Internationalität, wenn die Geräte flexibel in unterschiedlichsten OP-Umgebungen eingesetzt werden. „Die Fortentwicklung des Narcotrends ist ein klarer Beitrag zur Nachhaltigkeit der Expo 2000.“

Von Lothar H. Bluhm