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Adelheidsdorf Dorfladen in Großmoor beeindruckt Namibias Botschafter
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Adelheidsdorf Dorfladen in Großmoor beeindruckt Namibias Botschafter
17:58 12.10.2016
Von Carsten Richter
Großmoor

Wenige Minuten später öffnet sich die Tür. Dunkler Anzug, weißes Hemd, lila Krawatte. Freundlich begrüßt Andreas Guibeb das Dorfladen-Team. Seit Anfang des Jahres ist er Namibias außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland. In diesen Tagen ist er auf Antrittsbesuch in Niedersachsen. Ein Besuch beim Ministerpräsidenten und dem Landtagspräsidenten steht genauso auf seinem Programm wie eine Fahrt nach Cuxhaven und zum Jade-Weser-Port nach Wilhelmshaven. Hohe Politiker, große Wirtschaftsprojekte. Bleibt da überhaupt Zeit für das kleine Großmoor? Sie blieb. Denn auch wenn Burchardt Führer als Honorarkonsul der Republik Namibia und zugleich Ehemann von Adelheidsdorfs Bürgermeisterin Susanne Führer die Rolle als Vermittler zukam, war bei der Stippvisite in Großmoor deutlich zu spüren: Das Dorfladen-Projekt liegt Guibeb wirklich am Herzen.

„Wir haben ähnliche Probleme in Namibia“, sagte der Botschafter, nachdem ihm die Bürgermeisterin den Hintergrund der Initiative erläutert hatte. „Die jungen Leute ziehen weg, die älteren bleiben. Mit der Schließung der Schlecker-Filiale fiel die letzte Einkaufsmöglichkeit im Ort weg“, sagte Susanne Führer. Das Engagement der mehr als 200 Bürger, die Anteile von insgesamt 53.750 Euro gezeichnet haben, aber auch des Teams, das den Dorfladen betreibt, hat Guibeb sehr beeindruckt. Er bekundete seinen „Respekt, solch ein Projekt anzufangen“. „Man muss den Mut haben, den ersten Schritt zu machen“, meinte Guibeb und zog einen Vergleich mit der Mondlandung heran. „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“, zitierte er Neil Armstrong.

Winfried Winter vom Vorstand des Dorfladen-Vereins bestätigte, dass unter den Bürgern erst Überzeugungsarbeit geleistet werden musste, sich in den Aufbau des Ladens einzubringen. Doch die Geduld habe sich gelohnt. „Nun haben wir im Schnitt 200 Kunden pro Tag“, so Winter. Der Dorfladen sei „nach wie vor ein Erfolgsrezept“, bestätigte Führer. Einkaufsmarkt und Begegnungsstätte – das Konzept sei aufgegangen, lautete ihre Bilanz rund zwei Jahre nach der Eröffnung am 17. Oktober 2014. „Bei uns in Namibia gehen alle Jugendlichen zum Arbeiten in die Hauptstadt Windhuk“, sagte der Botschafter. „So ein Laden ist ein guter Anreiz, wieder Leben ins Dorf zu bringen.“ Gut möglich also, dass die Initiative aus dem Kreis Celle bald Schule in Afrika macht.

Eine Einkaufsmöglichkeit im Ort zu haben, stand vor ein paar Jahren ganz oben auf der Wunschliste der Dorfgemeinschaft, als es darum ging, wie Adelheidsdorf und seine Ortsteile belebt und verschönert werden können. Noch immer trifft sich der Arbeitskreis regelmäßig, um über Verbesserungen zu diskutieren. „Als Nächstes soll eine Markise angeschafft werden, um im Sommer die Sitzplätze vor dem Laden besser vor der Sonne zu schützen“, so Winter.

Auch am Sortiment der Produkte wird immer wieder gefeilt. Am schwarzen Brett können Kunden Wünsche äußern. Vielleicht sind in ferner Zukunft auch luftgetrocknetes Rindfleisch und Straußeneier dabei. Das sind zumindest in Namibia Spezialitäten. Und die würden bestimmt auch im Celler Land ankommen. Erste Kontakte mit dem südafrikanischen Land sind ja jetzt hergestellt.