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Adelheidsdorf Miete für den Verwaltungschef
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Adelheidsdorf Miete für den Verwaltungschef
16:51 05.04.2013
Von Simon Ziegler
Großmoor

Die Gemeinde Adelheidsdorf wurde im vergangenen Jahr vom Landkreis Celle gerügt, weil sie zu wenige Krippenplätze anbieten würde. Nach einigem Hin und Her beschloss der Gemeinderat im März, dass zwei weitere Krippengruppen geschaffen werden. Die Politik entschied, dass leerstehende Praxisräume gegenüber des Kindergartens Moorwichtel umgebaut werden sollen.

Da diese Räume dem Wathlinger Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Grube gehören, der in Adelheidsdorf zudem der Verwaltungsvertreter von Bürgermeisterin Susanne Führer ist, werden jetzt kritische Stimmen laut. Ratsherr Matthias Blazek behauptet, es komme „reichlich Unmut“ im Dorf auf. Zusammen mit seinem Ratskollegen Walter Twelkemeyer, mit dem er im Rat eine Gruppe bildet, hat er eine Pressemitteilung verfasst, die heute im Wathlinger Boten erscheint. Man habe sich mit einem „schlechten Bauchgefühl an der Diskussion beteiligt“, heißt es in dem Schreiben.

Grube geht mit der Angelegenheit entspannt um. Er wohnt im ersten Stock seines Hauses an der Hauptstraße. Im Erdgeschoss war früher eine Massagepraxis. Der Verwaltungschef sagt, er habe sein Objekt nicht angeboten. Der Vorschlag, dass seine Räume für die Krippe genutzt werden könnten, sei von Führer gekommen. Er habe sich an der politischen Beratung nicht beteiligt. „Alles ist sehr transparent gewesen“, sagt Grube.

Stefan Hausknecht, in dessen Hände die Angelegenheit bei der Samtgemeinde-Verwaltung liegt, sieht das genauso. Es seien mehrere Objekte für die Krippe diskutiert worden. Auch über den Vorschlag, den früheren Schlecker umzubauen, sei gesprochen worden. Das sei aber viel zu teuer gewesen.

Am Ende lagen zwei Vorschläge auf dem Tisch. Nutzung der Grube-Räume oder Anbau an den Kindergarten. Der Umbau der Privaträume kostet laut Hausknecht zwischen 300.000 und 320.000 Euro. Die Kosten für einen Anbau wurden auf 700.000 Euro geschätzt. Weiterer Vorteil einer Vermietung: Sollten irgendwann in Adelheidsdorf nicht mehr genügend Kinder da sein, kann die Gemeinde das Mietverhältnis jederzeit beenden. Beim Anbau müsste sie eine Immobilie unterhalten, die sie nicht mehr braucht. Für die gewählte Variante spricht auch die Lage gegenüber des Kindergartens.

Der Samtgemeindebürgermeister wird von der Gemeinde eine monatliche Miete von 1000 Euro für 230 Quadratmeter Fläche bekommen. Das sei „ortsüblich“, betont Hausknecht. Der Mietvertrag werde dem Gemeinderat nochmals vorgelegt, wenn er unterschrieben werden soll.

Im Gemeinderat fiel die Entscheidung pro Grube einstimmig. Auch Blazek und Twelkemeyer votierten also dafür, in der Immobilie des Samtgemeindebürgermeisters im Erdgeschoss eine Krippe unterzubringen. Blazek kritisiert jetzt, dass von der Verwaltung nur die beiden Alternativen Kindergarten-Anbau und Grube-Räume vorgelegt wurden. Die ganze Sache habe „ein kleines Geschmäckle“, sagt er. In der Pressemitteilung rechtfertigen sich die beiden Politiker: „Wir können uns nicht dem Projekt, dem eine gewisse Eile angedacht ist, verschließen. Insofern können wir mit Blick auf unser Stimmverhalten nur um Verständnis bitten.“

Grube dagegen betont: „Wenn jemand ein öffentliches Amt bekleidet, darf er keinen Vorteil haben. Er darf aber auch keinen Nachteil haben.“

Simon Ziegler