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Adelheidsdorf Wathlingens Verwaltungschef Wolfgang Grube überwindet schwere Krankheit
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Adelheidsdorf Wathlingens Verwaltungschef Wolfgang Grube überwindet schwere Krankheit
18:29 17.11.2017
Von Simon Ziegler
Quelle: David Borghoff
Großmoor

Nach der OP hatte es Komplikationen gegeben, Wolfgang Grube lag wochenlang im Koma. Es ging um Leben und Tod. „Es gab drei, vier Stunden, da wusste man nicht, auf welcher Seite ich bin“, sagt der 66-Jährige. 30 Kilo hat er verloren. Als er sich im September, Oktober das erste Mal wieder in der Öffentlichkeit zeigte, dachten manche, sie sehen ein Gespenst.

Jetzt ist Wolfgang Grube auf dem Weg der Besserung. Er hat wieder drei Kilo draufgepackt, die Stimme ist kräftig geworden. Im Rathaus arbeitet er seit diesem Monat wieder halbtags, im Dezember will der Verwaltungschef sein Pensum ausweiten. Das Wichtigste aber: Es sieht nach vollständiger Genesung aus.

Begonnen hatte der Leidensweg mit einer Routine-Untersuchung im vergangenen Jahr. Im Rahmen der Krebsvorsorge stellte ein Arzt Gewebeveränderungen in der Speiseröhre fest, die Vorstufe von Krebs. Anfang 2017 wurde zusätzlich ein Frühkarzinom entdeckt. Am 15. März wurde im Allgemeinen Krankenhaus operiert. Sechs Tage nach der OP kam es zu gravierenden Schwierigkeiten. „Die Naht hatte sich nicht ganz geschlossen, Speisereste haben zu einer Sepsis geführt“, berichtet Grube über die Entzündungsreaktion. Es folgten zwei Wochen im Koma. Weitere zwei Wochen dauerte die Aufwachphase. Nach zwei Monaten im AKH ging es in die Reha.

Doch der Körper war noch nicht so weit. Wolfgang Grube musste zurück ins Krankenhaus gebracht werden. Wochenlang gab es Flüssignahrung, 1600 Kalorien am Tag. „Der Lebensmut sinkt mit der Verweildauer im Krankenhaus. Man fügt sich seinem Schicksal.“ Ende Juli durfte der 66-Jährige das Krankenhaus verlassen. Eine erneute Reha lehnte er ab. Er wollte „nicht wieder in Gefangenschaft gehen“, wie er sagte. Ganz allmählich ging es bergauf. „Als ein Stent aus der Speiseröhre herausgenommen wurde, hatte ich das Gefühl, ich lebe wieder.“ Das war am 17. Oktober.

Wolfgang Grube berichtet, dass er sehr viel Zuspruch bekommen habe. Rathaus-Mitarbeiter und Bürgermeister-Kollegen, Bekannte und Freunde schrieben dem Verwaltungschef oder besuchten ihn am Krankenbett. „Das hat viel Kraft gegeben.“ Am wichtigsten war die Unterstützung seiner Frau und seiner Tochter. „Man braucht Verbündete, man braucht die soziale Begleitung. Im Krankenhaus steht die Droge 'Menschliche Zuwendung' ganz oben“, sagt er.

Der Sozialdemokrat ist seit 1998 Samtgemeindebürgermeister in Wathlingen. Er hat in der Politik eine sehr ungewöhnliche Karriere hingelegt. Er war Klempnerinstallateur und Krankenpfleger, Masseur und medizinischer Bademeister, bevor er sich der Lokalpolitik verschrieb. Er ist wohl der populärste Verwaltungschef im Celler Land. Der „rechte Linke“, wie er sich selbst mal nannte, nimmt die Leute ernst und die Politik nicht immer so wichtig. Bei der letzten Wahl im Jahr 2014 wurde er mit sage und schreibe 80 Prozent im Amt bestätigt – souveräner kann man gar nicht gewinnen.

Nach der langen Leidenszeit muss der Patient aber noch kürzertreten. „Es gibt ein paar Probleme. Der Blutdruck ist niedrig, mir fehlt die Energie.“ Ein kleineres Problem ist die Kleiderwahl. Denn ihm passt nichts mehr. Anzüge und Hemden hat er neu gekauft.

Seine Genesung verbindet der Samtgemeindebürgermeister mit dem Appell an alle Mitbürger, zu Vorsorge-Untersuchungen zu gehen. „Die einzige Chance, die wir haben, ist die Früherkennung“, sagt er. Ohne das frühzeitige Erkennen bei ihm hätte es ganz anders ausgehen können. „Ich bin ohne Beschwerden zur Vorsorge gegangen“, erinnert er sich. Bei vielen Patienten ist das anders.

Am 21. Dezember wird der Mann aus Großmoor 67 Jahre alt. Von Ratssitzungen und repräsentativen Terminen hat er immer noch nicht genug. Er denkt derzeit gar nicht erst ans Aufhören. Gewählt ist er bis zum Jahr 2021. Es ist aber möglich, dass auch früher Schluss ist, vielleicht 2019. Doch das steht momentan nicht auf der Agenda. „Ich mache das gerne. Es ist ein Beruf durch Berufung“, sagt Wolfgang Grube über seine Aufgabe. Im Moment gebe ihm der Job als Chef der Wathlinger Samtgemeinde-Verwaltung sehr viel Kraft. „Es ist eine Herausforderung, ins Leben zurückzukommen.“