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Adelheidsdorf Zwischen schnellem Netz und dem letzten Bauernhof in Dasselsbruch
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Adelheidsdorf Zwischen schnellem Netz und dem letzten Bauernhof in Dasselsbruch
16:20 17.07.2018
Von Simon Ziegler
Quelle: Oliver Knoblich
Dasselsbruch

Um 9.25 Uhr hält am „Dreieck“ – so nennt man in dem Adelheidsdorfer Ortsteil die einzige Kreuzung – ein Bus an. Eine ältere Frau steigt in den 700er Richtung Nienhorst. Auf der Info-Tafel neben der Bushaltestelle wird für den Tag der Feuerwehr und schnelles Internet geworben. Und wer es nicht wusste, erfährt, wo es frische Milch gibt. Hin und wieder hört man einen Flieger über Wietzenbruch. Höchstens alle paar Minuten fährt ein Auto vorbei. Wer hier lebt, schätzt die Ruhe.

Um mit Dasselsbruchern zu sprechen, muss man irgendwo klingeln. Ein schönes, gelbes Honig-Schild zeigt, dass hinter einem der alten Bauernhöfe eine Imkerei sein muss. Walter Twelkemeyer macht auf – und bittet gut gelaunt herein. Twelkemeyer – Landwirt, Politiker, Urgestein – erzählt gerne. „Ich wohne schon mein ganzes Leben hier“, sagt der Mann mit den schneeweißen Haaren. Vor 75 Jahren kam er in dem Haus an der Dorfstraße zur Welt. „Ins Krankenhaus ist man damals nicht gefahren. Da kam eine Hebamme ins Haus. So war das früher“, sagt er lapidar. Er war mal eine Zeitlang aus Dasselsbruch weg, als er Landwirt gelernt hat. Aber so richtig weggezogen aus der Gemeinde Adelheidsdorf hat es ihn nie.

Seine Frau Ilse, eine gebürtige Großmoorerin, auch nicht. „Wenn ich in der Stadt bin, denke ich immer: Ein Glück, dass ich hier nicht wohne“, spottet sie. Eineinhalb Kilometer wohnten Walter und Ilse früher auseinander. Doch kennengelernt haben sie sich 1965 erst, als der Ehemaligen-Verein der Landwirtschaftsschule nach Helgoland gefahren ist. Danach waren sie ein Paar.

In Dasselsbruch wohnen heute 130 Menschen. Der Dorfname geht auf das Dasselsgut zurück, in dem ab 1864 der Wasserbau-Inspektor Heinrich Daßel lebte. 1937 wurde das Gut in sieben Siedlerstellen aufgeteilt – das Dorf war geboren. Es hat sich in den vergangenen Jahren verändert, berichten die Twelkemeyers. Früher gab es acht Bauernhöfe, heute ist es noch einer. Auch Familie Twelkemeyer verdiente früher ihr Geld mit Milchvieh und Bullenmast. Im Jahr 2000 war wegen der Milchpreise Schluss.

Im gleichen Jahr begannen sie mit der Imkerei. Es ist ein Hobby, dem sie bis heute nachgehen. „Wir haben zwölf Wirtschaftsvölker“, sagt Ilse. 1500 Gläser Honig stellen sie im Jahr her. Sie verkaufen ihn zu Hause und im Dorfladen in Großmoor. Den Hut auf hat Ilse. „Ich bin nur der Knecht“, witzelt Walter Twelkemeyer.

Seine Leidenschaft war viele Jahre die Lokalpolitik. 30 Jahre saß er im Gemeinderat. Er war immer einer, der seine Meinung gesagt und sich für die Heimat engagiert hat. Das Schöne an Dasselsbruch, sagt Walter Twelkemeyer, sei der Zusammenhalt. „Das ist hier wirklich eine tolle, kleine Gemeinschaft.“