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Nienhagen Aus Nienhäger Sitzungsaal wird ein riesiges Künstleratelier
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15:39 23.06.2017
Nienhagen

Etwa 30 Zuschauer verfolgen an diesem Abend fasziniert, wie vor ihren Augen nach und nach ein pittoreskes Ölgemälde Gestalt annimmt. Graue mischt Farbtöne, bringt einen tiefblauen Sommerhimmel auf, malt Wolken, Berge, Tannen und schließlich eine sattgrüne Almwiese. Dazwischen hält er immer wieder inne, um einzelne Schritte zu erläutern. „Sehen Sie, was ich mache?“, fragt er beispielsweise. „Ich möchte ein paar Federwolken auf dem Bild, also nehme ich jetzt einen feineren Pinsel.“ Was denn passiere, wenn einer der von ihm angemischten Töne auf der Palette aufgebraucht sei, zeigt sich eine Dame aus dem Publikum interessiert. „Gar nichts“, sagt Graue und lacht. „Ein Ölbild lebt doch davon, dass es aus vielen unterschiedlichen Farben besteht.“

Dass es ihn nicht im Mindesten nervös mache, wenn ihm die Nienhäger gleich beim Malen über die Schulter schauen werden, hatte Graue bereits kurz der Veranstaltung verraten. „Im Gegenteil – ich bin doch hier, weil ich hoffe, dass ich ein paar Leute für die Kunst begeistern kann.“ Und das scheint zu funktionieren: In den gut eineinhalb Stunden, die der Künstler braucht, um ein idyllisches Alpenpanorama auf die Leinwand zu bannen – musikalisch stimmungsvoll untermalt von Akkordeonistin Angela Elvers – beobachtet das Publikum gebannt jeden Pinselstrich. Graue ist in seinem Element: Der Adelheidsdorfer tritt immer wieder von der Staffelei zurück, um sein Werk zu begutachten. „Passt“, sagt er, oder auch: „Das gefällt mir nicht, da müssen noch ein paar Blumen aufgetupft werden.“

Als das Gemälde schließlich fertig ist, ist Graue allerdings noch nicht hundertprozentig zufrieden. „Es gäbe jetzt noch eine Menge daran zu tun“, meint er kritisch, um gleich darauf mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: „Ich hatte eben den Ehrgeiz, das Bild von Anfang bis Ende vor Ihren Augen entstehen zu lassen – nicht so wie bei den Fernsehköchen, die plötzlich das fertige Gericht hinter der Bühne hervorholen.“ Zuschauerin Ingrid Freudrich jedenfalls ist restlos begeistert: „Fantastisch“, schwärmt sie später. „Dieser Bildaufbau in dieser kurzen Zeit, einfach unglaublich.“

Von Christina Matthies