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Nienhagen Bühnenkünstler begeistern Ni-Ku-Publikum im ausverkauften Hagensaal
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Nienhagen Bühnenkünstler begeistern Ni-Ku-Publikum im ausverkauften Hagensaal
16:30 19.05.2014
Konstantin Dementiev vom "Duo Blinddate". Quelle: Benjamin Westhoff
Nienhagen

Eine mitreißende Mischung aus Comedy und ebenso humorvoller wie atemberaubender Akrobatik wurde den Gästen des Kulturveranstalters „Ni-Ku“ am Sonnabend im Hagensaal Nienhagen geboten. Moderiert wurde das rund dreistündige Programm von der unvergleichlichen Puppenfigur „Werner Momsen“, der aber – unter anderem mit seiner köstlich schwülstigen Hamburger „True Love“-Version („Du kamst bei mir, ich kam bei dir“) – auch mit eigenen Beiträgen begeisterte.

Hellauf begeistert zeigte sich das Publikum vom „Duo Blinddate“, ein Artistenpaar aus der Kiewer Zirkusschule. Konstantin Dementiev als unscheinbarer bebrillter Buchhalter-Typ und seine Partnerin Svetlana als kaum zu bändigende rassige Wildkatze zeigten von der Hula-Hoop-Vorführung am ausgestreckten Po über ein „Blind Date“ mit einer Krake bis zur Dressur des mit Aktenkoffer ausgestatteten Biedermannes herrliche Kostproben ihrer mit leisem feinen Humor und auf hohem Niveau dargebotenen Kraftakrobatik. Da hatten es die anderen Künstler schwer, mitzuhalten. Dirk Langer etwa, alias Schiffsjunge Nagelritz, der für jedes gelöste Signalflaggen-Rätsel einen „Ahoi-Brause“-Preis an das Publikum vergab, der mit einem 100er-Pack Ringe aus der Gardinenabteilung für die diversen Seemannsverlobungen vorgesorgt hatte, und der „Duftbäumchen“ für ein unbrauchbares Gegenmittel des nach Fisch stinkenden Fischers hält: „Dann stinkt er nach Fisch im Walde.“

Auch Holger Müller alias Ausbilder Schmidt (Momsen: „Der ist nicht so, der will nur spielen“) stieß nicht auf uneingeschränkte Begeisterung. Er wusste zwar mit Beiträgen wie „Brettspiel für eine Person: Bügeln“ zu punkten, und auch seine entrüstete Frage „Was, muss ich mir mein Essen selber machen?“ an die Krankenschwester, als sie ihm die Bettpfanne bringt, erzeugte herzhafte Lacher im ausverkauften Saal. Aber was ist das für ein „Spiel“ mit der leidvollen Erinnerung ganzer Kriegsgenerationen, wenn er mit Scherzfragen (?) wie „Was haben Aspirin und Frankreich gemeinsam? – Beides lässt sich leicht einnehmen“ auf Lacherfolge im Publikum setzt? Und was sind das für Menschen, die tatsächlich noch darüber lachen können? „Das darf man ja alles nicht mehr sagen“, fügte „Ausbilder Schmidt“ gern verharmlosend hinzu. Warum tut er es dann?

Unbeschwert lachen konnte man hingegen wieder bei der artistischen Animationsshow des Hamburgers Jens Ohle. Ob bei der spektakulären Feuerjonglage mit seinem aus dem Publikum gewählten Assistenten Jan („Kannste mal so tun, als ob es dir Spaß macht?“) oder im Gespräch mit Steffi (ebenfalls aus dem Publikum), als sie seine Frage nach ihrem Beruf mit „Studentin der Lebensmittelverpackungstechnologie“ beantwortete. „Egal“, sagte er quasi mitfühlend, „Hauptsache, du hast ’n Führerschein. Taxi fahren geht immer.“ Doch schließlich verschlug es auch ihm die Sprache: Als er hoch auf der neunsprossigen Artistenleiter balancierend mit dem Zeigefinger demonstrativ den Staub vom oberen Bühnenrahmen präsentierte, wurde ihm von einer Ni-Ku-Mitarbeiterin spontan ein Staubtuch gereicht.

Von Rolf-Dieter Diehl