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Nienhagen Debatte um altes Kriegerdenkmal
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Nienhagen Debatte um altes Kriegerdenkmal
13:23 01.11.2018
Von Simon Ziegler
Quelle: Oliver Knoblich
Nienhagen

Politik, Kirche und Bürger diskutieren in Nienhagen über das alte Kriegerdenkmal im Rathauspark. Es geht in der Debatte um eine ganze Menge: den Wiederaufbau des Denkmals, den Ort des Erinnerns, Begrifflichkeiten wie Helden und Opfer sowie um die Frage, wie man heute damit umgeht, was eine Generation vor fast 100 Jahren für sich als den richtigen Umgang mit den Geschehnissen des Ersten Weltkrieges ausgemacht hat.

Warum das Thema jetzt auf den Tisch kommt: Das Kriegerdenkmal am Rathaus ist marode. Es hat Risse, innen ist es feucht. Die Standsicherheit ist nicht mehr gegeben. Es müsste restauriert werden. Die Frage ist, ob die Gemeinde das will.

An wen das Denkmal erinnert: Das Denkmal wurde 1921 errichtet. Es erinnert an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. „Aus unserer Mitte zogen fürs Vaterland in Kampf und Tod“ heißt es auf der Inschrift. Es folgen die Namen von 26 Toten. Die Tafel schließt mit den Worten: „Gewidmet den gefallenen Helden der Gemeinde Nienhagen.“

Volkstrauertag: In Nienhagen spielt das Denkmal seit vielen Jahren im öffentlichen Raum so gut wie keine Rolle mehr. Das liegt auch daran, dass es einen zweiten Erinnerungsort gibt. Im Kirchturm – wenige Meter vom Rathauspark entfernt – ist ein Gedenkraum, dort wird an die Gefallenen des Ersten und des Zweiten Weltkrieges erinnert. Am Volkstrauertag wird dort ein Kranz niedergelegt, nicht am Rathaus-Denkmal.

Das sagt die Gemeinde: Bürgermeister Jörg Makel spricht sich gegen einen Wiederaufbau des Denkmals aus. „Ich bin überzeugt, dass wir heute ein anderes Bild zu dem Geschehen haben als 1921, als dieses Denkmal errichtet wurde und schon gar nicht von Helden, mehr wohl von Opfern reden müssten“, sagt er. Das Gedenken könne künftig alleine im Kirchturm stattfinden. Makel betont aber: "Ich werde alles tun, damit sich dieses Thema nicht zu einer streitigen Diskussion entwickelt. Wir werden nach einer Lösung suchen, die alle mittragen können."

So sieht es die Politik: Im Bauausschuss wurde das Thema zuletzt kontrovers diskutiert. Während die SPD sich für das Gedenken im Kirchturm ausspricht, ist die CDU für den Wiederaufbau. „Ich finde, es ist ein Zeitzeugnis, das sollte erhalten werden. Es gehört zum Dorf dazu“, sagt Elisabeth Binz (CDU). Ähnlich sieht es die UWG. „Das Denkmal ist keine Parkbank, die man mal eben versetzen kann“, erklärt Alexander Hass (UWG). Das Denkmal sei eine wichtige Erinnerung an die Zeit vor fast 100 Jahren. Auch die FDP macht sich für den Wiederaufbau stark. Die Grünen waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Das sagt die Kirche: Pastor Uwe Schmidt-Seffers bringt einen Kompromiss ins Spiel. „Ich kann mir vorstellen, dass man die Gedenktafel des Kriegerdenkmals aufbewahrt, und im Kirchturm oder im Rathaus mit einer erläuternden Tafel ausstellt als 'Dokument' der 20er-Jahre-Nachkriegszeit“, so Schmidt-Seffers. Er plädiert dafür, sich für die Entscheidung Zeit zu nehmen und „nichts übers Knie zu brechen“.

Faßberger Glocke: Gibt es in der Debatte um Nienhagens Denkmal Parallelen zur Hakenkreuz-Glocke in Faßberg? Beiden Orten gemein ist, dass sie über ihre Erinnerungskultur diskutieren. Dass sich Nienhagen wie Faßberg über dieses Thema entzweit, ist sehr unwahrscheinlich. Es geht in Nienhagen nicht um Nazi-Symbole, allein schon deshalb dürfte die Frage mit deutlich weniger Emotionen diskutiert werden.

Wie es jetzt weitergeht: Am Dienstagabend hat der Verwaltungsausschuss das Thema vertagt. Wann eine Entscheidung getroffen wird, ist unklar. Im Haushalt der Gemeinde für 2019 stehen 15.000 Euro zur Verfügung, damit die Gemeinde handlungsfähig ist. Denn wie auch immer man sich entscheidet, allein der Rückbau des alten Kriegerdenkmals wird Geld kosten. Ums Geld geht es bei dieser Frage aber höchstens am Rande.

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