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Nienhagen Jugendsinfonieorchester erarbeitet ambitioniertes Programm
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13:22 06.01.2014
Das Regionale Jugendsinfonie- - orchester Hannover war zu Besuch in Nienhagen, wo man nicht nur ein Konzert spielte, sondern auch vor Ort probte. Quelle: Benjamin Westhoff
Nienhagen

Musizieren ist nicht nur generell und für sich gesehen eine positive Sache, musizieren ist auch eine sozial verbindende Tätigkeit, die in vielerlei Hinsicht der Entwicklung nicht nur, aber speziell jüngerer Menschen sehr gut tut. Obwohl das nicht erst seit den inzwischen längst nicht mehr neuen Untersuchungen Hans Günther Bastians bekannt ist, trotzdem hat sich der Staat in einem hohen Maße aus der Förderung musikalischer Jugendbildung zurückgezogen. Er propagiert zwar gerne das Gegenteil, in der Realität aber sind weite Teile der musikalischen Jugendbildung inzwischen ohne dem selbstlosen und oft selbstausbeuterischen Engagement vieler leidenschaftlichen Musikpädagogen gar nicht mehr vorstellbar. Immer wieder bilden sich Initiativen, in denen diese Musikpädagogen ohne nennenswerte staatliche Unterstützung ihre Begeisterung für die Musik der jüngeren Generation zu vermitteln suchen.

Einem solchen Engagement ist es auch zu verdanken, dass es das Regionale Jugendsinfonieorchester Hannover gibt. Und zwar schon seit 22 Jahren. So lange schon treffen sich zumeist Anfang Januar junge Instrumentalmusiker mit einem Kreis von Lehrern und einem Dirigenten, um gemeinsam klassische Musik einzustudieren und zur Aufführung zu bringen. Dieses Jahr fanden sich sage und schreibe 70 Musiker in Nienhagen zusammen. Dort erarbeitete man sich in einer Woche ein ambitioniertes Programm mit Werken von Boris Blacher, Peter Tschaikowsky und Anton Dvorak. Dass die Gemeinde Nienhagen schon mehrfach diesem Orchester kostenfrei eine Probe- und Konzertsaalheimstatt angeboten hat, das ist schon eine bemerkenswerte Sache. Dass der Hagensaal zwar vielleicht ein guter Probenraum, aber ein atmosphärisch wenig attraktiver Konzertort ist, das ist dann halt in Kauf zu nehmen.

Dem Regionalen Jugendsinfonieorchester Hannover zuzuhören macht vom ersten Ton an Spaß, auch wenn naturgemäß nicht alles, speziell in den hohen Streichern, so funktioniert wie man es sich idealerweise wünschen würde. Die Auswahl der Stücke war vielleicht ein wenig überambitioniert, denn ein Werk wie die siebte Sinfonie von Anton Dvorak ist in seinem technischen und musikalischen Anspruch von einem solchen Orchester einfach kaum zu schaffen. Umso erfreulicher, dass man sich dem Stück unter Dirigent Thomas Aßmus doch ganz beachtlich weit näherte. Noch überzeugender gerieten die „Konzertante Musik“ von Boris Blacher und die Rokoko-Variationen für Cello und Orchester von Peter Tschaikowsky. Nicht zuletzt sorgte bei diesem Stück die kaum 17-jährige Solistin Hanna Ruschepaul für eine positive Überraschung, denn sie spielte dieses technisch anspruchsvolle Stück mit großem Gestaltungswillen und vor allem mit einem wunderbar sonoren und singenden Ton. Ihren Namen darf man sich ruhig merken. Vielleicht wird man in einigen Jahren noch mehr von ihr hören.

Von Reinald Hanke