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Nienhagen Ministerpräsident Stephan Weil kämpft im Celler Land um Wählerstimmen
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Nienhagen Ministerpräsident Stephan Weil kämpft im Celler Land um Wählerstimmen
19:37 26.09.2017
Von Simon Ziegler
Quelle: Oliver Knoblich
Nienhagen

Von Ernüchterung oder depressiver Stimmung war bei den beiden nach dem SPD-Wahldesaster am Sonntag nichts zu spüren. Zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl erklärte ein gut gelaunter Landesvater, was Rot-Grün in den vergangenen Jahren in Niedersachsen alles richtig gemacht habe. Ob Abschaffung der Studiengebühren, sanierter Haushalt oder Inklusion – Weils Botschaft war unmissverständlich: Es geht voran.

Gleich eine der ersten Fragen aus dem Publikum ging aber in eine für die rot-grüne Regierung wenig schmeichelhafte Richtung: die enormen Probleme in der Lehrerversorgung, worüber in den vergangenen Monaten im Celler Raum vor allem Grund- und Oberschulen geklagt hatten. Dass es zu wenig Lehrer gebe, liege auch an der Vorgängerregierung, argumentierte Weil. Denn damals sei ein Schülerrückgang vorhergesagt worden, erklärte der Ministerpräsident und stichelte in Richtung seines CDU-Herausforderers Bernd Althusmann. Schließlich war der von 2010 bis 2013 Kultusminister. Stattdessen habe man es jetzt durch die Flüchtlingskrise mit mehr Schülern zu tun, nämlich 22.000 in zwei Jahren. Der Regierungschef gab sich zuversichtlich, dass sich die Lehrerversorgung durch Neueinstellungen spürbar verbessern wird: "Das Thema wird schon bald keine Rolle mehr spielen."

Mit Angriffen auf den politischen Gegner hielt sich Weil, der zuvor dem Autozulieferer IAC in Adelheidsdorf einen Besuch abgestattet hatte, ansonsten weitgehend zurück. Der Sozialdemokrat betonte stattdessen, was kommen wird, wenn er weiterregieren kann. "Wir schaffen die Kitabeiträge ab. Es ist ein alter sozialdemokratischer Traum, dass Bildung nicht mehr vom Geldbeutel abhängt", sagte er unter dem Applaus der Besucher.

Der Hagensaal glich einer Wahlarena. Weil und Schmidt standen in der Mitte, umringt von einem Publikum, das es überwiegend wohlwollend mit der SPD meinte. Die Besucher stellten Fragen auf Bierdeckeln, so dass sich ein Ritt durch zahlreiche Politfelder entwickelte. Dieselgate bei Volkswagen, Dialog mit der konventionellen Landwirtschaft, Bezahlung von Pflegekräften und Polizei-Themen waren nur einige der angesprochenen Fragen. Lokale Aspekte spielten nur am Rande eine Rolle. So erklärte Schmidt in Sachen Celler Ortsumgehung, dass derzeit auf das Gerichtsurteil zum dritten Bauabschnitt gewartet werde. "Wenn wir das Urteil haben, dann können wir bauen. Wir brauchen diese Umgehung."

Bei der Frage nach einer möglichen Koalition mit der Linkspartei blieb Weil bei dem, was er bereits zuvor gesagt hatte. Er leide nicht unter "Ausschließeritis", investiere seine politische Kraft aber, "dass die Linke nicht in den Landtag kommt". Dabei sei er guter Dinge: "Menschen, die sich für eine soziale Politik interessieren, sind bei der SPD gut aufgehoben."