Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Nienhagen Mit Jörg Knör auf Promi-Tour in Nienhagen
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Nienhagen Mit Jörg Knör auf Promi-Tour in Nienhagen
18:07 03.10.2017
Jörg Knör lud vor Paris-Kulisse in Nienhagen zu einem Ausflug in die Welt der Prominenten ein. Quelle: Oliver Knoblich
Nienhagen

Aber wie sieht es im Himmel aus? Keiner weiß es, Paris geht nicht nur immer, es soll auch einen Bezug zum Markenzeichen des Entertainers Knör haben; er parodiert mit mehr als Wort und Mienenspiel, Stift und Block sind sein stetiger Begleiter. Abgeschaut hat er es sich von den Meistern des Montmartre, aber Beispiele liefert er für diese Kunst am Samstagabend bei Nienhagen-Kultur (Ni-ku) kaum.

Vielmehr als auf eine Reise in die Seine-Metropole lädt der Parodist ein zu einer Spritztour durch die Welt der deutschen Prominenten. „Neben ihm fühle ich mich jung“, kündigt der 58-Jährige Udo Lindenberg an und holt den Panikrocker leibhaftig auf die Bühne – Gestik, Mimik, Tonfall – da stimmt einfach alles. Die Stars der Elbmetropole liegen dem Wahlhamburger Knör. Man wünscht sich, Karl Lagerfeld, Helmut Schmidt und Udo Lindenberg würden kein Ende nehmen.

So gut der frühere Fernsehstar die Größen deutscher Prominenz nachahmt, so wenig Unterhaltungswert hat Jörg Knör, wenn er als solcher agiert. Er hängt den alten Fernsehzeiten nach, bringt immer wieder Sendungen ins Spiel, die anders als zu den Jahren, als es nicht mehr als drei Sender gab, nicht mehr jeder kennt. Langatmig, selten lustig, gespickt mit Anspielungen aufs Älterwerden sowie Anzüglichkeiten in Altherrenmanier präsentieren sich seine Zwischenmoderationen. Die jungen Damen im Publikum haben es ihm angetan, die eine oder andere interessiert sich zur großen Freude des Mannes auf der Bühne für seine Zeichnungen, holt sie sich persönlich ab, Anlass für eine kurze Plauderei im Altherrenstil. Seine Frau als Bestandteil seiner Monologe sorgt im Ausgleich fürs Solide.

Nicht enden wollten die Minuten, die Jörg Knör zu Beginn auf sich warten ließ – Teil des Programms oder Panne? „Ich hänge das hinten dran“, versprach der Star zum verzögerten Auftakt und hielt Wort. Die Blicke zur Uhr mehren sich zu vorgerückter Stunde. „Heute musst du so lange machen, bis es gefällt“, läutet er das Finale ein. Es braucht Zeit, viel Zeit, denn den Bogen zu schlagen von Frank Sinatra zu Karel Gott, den er „My way“ im „Biene Maja“-Modus intonieren ließ, muss eloquent vorbereitet werden und erfordert einen erneuten Gang in die erste Reihe zu den jungen Damen.

„Ich bin gerne ein bisschen retro“, hatte die frühere Stimme von Loriots Wum und Wendelin im Laufe des Abends verlauten lassen. Retro hat Konjunktur und ganz unterschiedliche Gesichter. Jörg Knörs Programm hat mit dem wiederum auf seine Zeit in Paris verweisenden Titel „FILOUsophie“ nicht allzu viel zu tun – es mutet eher an wie ein D-Zug mit Verspätung.

Von Anke Schlicht