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Nienhagen Nachwuchsmusiker zeigen Kostproben ihres Könnens
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Nienhagen Nachwuchsmusiker zeigen Kostproben ihres Könnens
16:56 15.05.2015
Jennifer Aßmus aus Nienhagen war beim Konzert im Hagensaal gemeinsam mit Jeffrey Ji-Peng Li aus Hannover zu erleben. Quelle: Veranstalter
Nienhagen

Ein exquisites Konzert erlebte das begeisterte Publikum am Donnerstagabend im Hagensaal Nienhagen: Zehn junge Nachwuchsmusiker aus der Region Hannover/Braunschweig, darunter auch die 13-jährige Jennifer Aßmus aus dem Nienhäger Ortsteil Nienhorst, boten den Zuhörern ein kammermusikalisches Konzert auf selten hohem Niveau. Es handelte sich dabei ausnahmslos um Interpreten, die sich für die Finalentscheidungen im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ (22. bis 29. Mai in Hamburg) qualifiziert haben und mit einem herzlichen Sympathiebonus begrüßt wurden. Das Zustandekommen des Konzertes ist vor allem der bereits jahrelang bewährten partnerschaftlichen Kontaktpflege zwischen der Gemeinde Nienhagen und dem Regionalen Jugendsinfonieorchester Hannover unter der Leitung von Thomas Aßmus aus Nienhorst sowie dem Braunschweiger Klavierpädagogen Wolfgang Zill zu verdanken.

Es war ein Konzert, das quasi nur aus programmatischen Höhepunkten bestand. Etwa die Beethoven-Sonate Nr. 4 in a-Moll, deren drängende, vital vorwärtsstürmende Dramatik Nina Ding (Klavier) und Aaron Huros (Violine) in einer ganz der Inspiration des Augenblicks überlassenen Haltung darboten. Die junge Sopranistin Johanna Zill wiederum, am Klavier begleitet von Frederik Gerteis, wusste bei Kunstliedern unter anderem von Mozart, Schubert und Brahms mit ihrer emphatischen und wandlungsfähigen Stimme zu begeistern, als sie die in den Liedern enthaltenen Minidramen und auch die bisweilen darin verborgene Koketterie adäquat zum Ausdruck brachte.

Überaus anspruchsvoll gestaltete sich auch die Interpretation der „Vier Stücke für Geige und Klavier op. 7“ von Anton Webern, ungemein ausdrucksgeladene Klangstudien zwischen Verzögerung und Beschleunigung, vom dahingehauchten Ton bis zum Fortissimo, bei denen Anna Gottschlich (Violine) und Georg Gottschlich (Klavier) sich mit Bravour dem enorm diffizilen expressiv-dynamischen Gestus hingaben.

Besonders gespannt war man auf den Auftritt der „Lokalmatadorin“ Jennifer Aßmus, die mit ihrem Klavierpartner Jeffrey Ji-Peng Li – neben Ravels „Ma mère l’oye“ und einer zeitgenössischen Tarantella – mit Poulencs „Sonate für Klavier vierhändig“ ein Stück von tänzerisch ungewöhnlich impulsivem Suitenton darbot. Man spürte förmlich ihren Elan und ihre Begeisterung für dieses überaus gewitzte Stück. Aßmus erwies sich dabei als hochsensible, zarte Pianistin, die besonders in den leisen, aber auch in den virtuosen Passagen zu überzeugen wusste, während ihr Partner durchweg kontrolliert und doch mit beeindruckender Emotionalität agierte. So geriet ihr Zusammenspiel bei aller aufschäumender Dramatik zu einer intimen Studie, deren persönlicher Tonfall bewegte.

Von Rolf-Dieter Diehl