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Nienhagen Nienhagen: Vodafone wegen Netzproblemen im Kreuzverhör
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15:58 07.02.2014
Von Simon Ziegler
"Wenn es mal schief geht, dann geht es richtig schief": Vodafone-Mann Thomas Zwenke versprach Verbesserungen in Nienhagen.  Quelle: Alex Sorokin
Nienhagen

"Ich habe einige tausend Euro durch Vodafone verloren", schimpfte ein Nienhagener Neubürger. Als er in die Gemeinde zog, habe er sich nach dem Netz erkundigt und sich darauf verlassen. Doch dann funktionierte bei dem Geschäftsmann nichts mehr. "Kunden haben mich angeschrieben und gefragt 'Was ist los? Bist du pleite?'", sagte der Mann. Er war nicht pleite, er war einfach nicht erreichbar. Woran es lag, war zunächst unklar. Der Mann legte sich ein neues Smartphone zu, bis er dahinter kam, dass Vodafone das Desaster zu verantworten hatte. "Ich würde sagen, Note sechs", resümierte der Mann, der inzwischen zur Konkurrenz gewechselt ist.

Wie er hat jeder der rund 50 Gäste am Donnerstag im Rathaus seine eigene Vodafone-Geschichte zu erzählen. Für Erheiterung sorgte noch die Schilderung, dass einem Kunden in einem Vodafone-Shop gesagt wurde, er solle das Nachbarhaus kaufen, für sein eigenes Grundstück gebe es kein schnelles Internet. Die Klagen sind vielschichtig. Während die einen schlechten Netzempfang beim Mobilfunk haben, schimpfen die anderen über miserable Leistungen bei den Internetgeschwindigkeiten. Bürgermeister Jörg Makel las gar aus einem Netzbeitrag vor. Dort spottete ein Bürger, wenn man ein Youtube-Video anklicke, könne man danach getrost in Urlaub fahren. Nach einer Woche sei aber nicht klar, ob man das Video schon anschauen könne.

Angesichts dieser Beiträge war klar, dass sich die Vodafone-Verantwortlichen wohl schönere Abende als eine Bürgerversammlung in Nienhagen vorstellen können. Gleichwohl würdigten die Bürger und der Organisator des Abends, Alexander Hass, dass sie sich zur Verfügung stellten.

Thomas Zwemke, Fachreferent Mobilfunk und Umwelt, versuchte die Probleme zu erläutern. Derzeit sei das Unternehmen dabei, die teils 20 Jahre alte Mobilfunktechnik zu erneuern. Wegen technischer Schwierigkeiten und menschlicher Fehler habe es in Nienhagen immer wieder Ausfälle gegeben. Derzeit laufe daher wieder das alte System. "Wenn es mal schief geht, dann geht es richtig schief", sagte er. Bis Ende März soll es endlich Verbesserungen geben, hieß es kleinlaut.

Auf Dauer das größere Problem ist wohl das VDSL-Netz. Das ist das Netz, für das der Bund einst 1,5 Millionen Euro an Subventionen über das Konjunkturpaket zur Verfügung stellte. Weil LTE in Nienhagen noch nicht funktioniert, sind die Kunden auf VDSL angewiesen. Das Problem: Vodafone und die Telekom müssen kooperieren, weil Vodafone von den Verteilerkästen auf den letzten Metern die Telekom-Kabel nutzt. Funktioniert das nicht wie gewünscht, kann es passieren, dass der Kunde auf dem Abstellgleis landet, wie sich Zwemke ausdrückte. Dann ist guter Rat teuer. Vodafone ist zwar in der Lage, schnelles Internet technisch zur Verfügung zu stellen, nur kommt es eben bei manchen Kunden nicht an. "Ich will Ihnen versprechen, dass wir das hinbekommen", so Zwemke zu den Bürgern.

Immerhin wurde den Kunden, die am Donnerstag ihre Kontaktdaten hinterlassen haben, schnelle Hilfe in Aussicht gestellt. Die Leute haben einen festen Ansprechpartner, der soll sich kümmern. Das tut auch not, Nienhagen dürfte sich für Vodafone schon längst zum Alptraum entwickelt haben. Den Namen des 6000-Einwohner-Örtchens kennt man inzwischen auch in der Düsseldorfer Firmenzentrale.