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Nienhagen Walter Plathe als köstlich schlawinernder Schwejk
Celler Land Samtgemeinde Wathlingen Nienhagen Walter Plathe als köstlich schlawinernder Schwejk
12:54 19.02.2014
Walter Plathe (rechts) und sein Pianist Peter Buchheim bei der - Begrüßung des Publikums. Quelle: Benjamin Westhoff
Nienhagen

In einer umwerfenden One-Man-Show präsentierte er den schlitzohrigen Söldner als listig verschlagenen, einfach strukturierten, aber immer liebenswürdigen Menschen, der mit subversiver Dümmlichkeit und raffiniert gespielter Hilflosigkeit seinen persönlichen Kampf gegen die absurde Kriegsbürokratie führt. Wirkungsvoll unterstützt wurde Plathe von seinem barkeepernden Klavierbegleiter Peter Buchheim, etwa bei der „Slibowitz-Polka“ im Anschluss an ein feucht-fröhliches „Verhör“ durch den ebenfalls von Buchheim dargestellten Wachtmeister Flanderka.

Zum Auftakt der Handlung hatte „Schwejk“ das Publikum zunächst – in Stammtisch-Manier kommentierend und mit seinem (Stoff-)Hund philosophierend – in das politische Geschehen rund um das Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und den daraus resultierenden Beginn des Ersten Weltkriegs versetzt. „Amtsärztlich zum Idioten erklärt, aber für den Staatsdienst verwendbar“ wurde er schließlich dem „Obalaitnant Lukasch“ als „Bursche“ zugeteilt und nahm sein Schicksal mit stoischer Ruhe und – mal im Arrest, mal auf der Suche nach seiner Kompanie – einer umwerfenden Mischung aus Naivität und Bauernschläue auf sich: „Der Krieg nimmt ein viel schnelleres Ende, wenn der Soldat nicht schießt, sondern rennt.“

Es war ein Vergnügen, dem schlawinernden Schwejk durch die Grotesken des Krieges zu folgen. Jede Situation wusste er unbeschadet zu überstehen. Als ihm dann der Herrgott die Himmelstür vor der Nase zuschlug und ihn zurück zur Erde schickte („Hab’ ich dich etwa dafür erschaffen, dass du deinen militärischen Pflichten nachkommst und dich für den Kaiser in Stücke schießen lässt?“), kommentierte er auch das mit frohlockendem Grinsen: „Schade um jede Minute, wo dass man nicht lebt.“

Von Rolf-Dieter Diehl